„Gemeinsam nach oben“ haben sie gesagt…

Juni 23, 2019

FullSizeRenderDie Saison 2018/19 ist schon ein paar Wochen Geschichte und so langsam kommt bei mir die „Phase Zwei“ ins Rollen. Phase Zwei? Naja, im Grunde besteht die Sommerpause doch bei jedem von uns aus drei Phasen.
Phase 1: Man ist irgendwie froh, dass es erstmal vorbei ist, hat sich aber noch nicht so richtig damit abgefunden, dass jetzt am Wochenende Zeit für andere Dinge ist. In dieser Phase stehen vor allem noch so viele andere Spiele, beispielsweise in der NOFV Oberliga Nord, in der die Amas ihre Spiele austragen, an. Dadurch kann man die fußballfreie Zeit noch ein bisschen nach hinten schieben, aber man merkt schon, dass es irgendwie nicht dasselbe ist.

Phase 2: Auch in den unteren Ligen werden die Spiele immer weniger, die Pokalauslosung steht an und so langsam fängt man doch irgendwie an, die Tage zu zählen. In dieser Phase regt man sich dann meist zum ersten Mal so ein bisschen darüber auf, dass der DFB sich für die Erstellung des Spielplans so ewig feiern lässt.

Phase 3: Vollkommene Unruhe! Man regt sich das hundertste Jahr in Folge darüber auf, dass der Plan für die 1. und 2. Bundesliga früher bekanntgegeben wird, obwohl die doch deutlich später anfangen. Von der Tatsache, dass sich der DFB erst ewig für die Erstellung des Spielplans feiern lässt, um dann nochmal wochenlang an der Terminierung zu schrauben, mal ganz abgesehen. In dieser Phase kann man auf die Frage „Wann geht’s bei Hansa eigentlich wieder los?“ mit einer präzisen Angabe von Tagen, Stunden und Minuten antworten.

Im Gegensatz zu den letzten Jahren nutze ich die Sommerpause mal wieder für einen Rückblick, einfach weil es sich mal wieder lohnt. Die Gründe erfahrt ihr irgendwo in bzw. zwischen den kommenden Zeilen. Auch wenn der Aufbau vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist, hoffe ich doch, dass ich dem einen oder anderen wieder ein kleines Grinsen ins Gesicht zaubern kann. Eingeteilt wird das ganze diesmal in Kategorien, wobei das ganze natürlich ganz zufällig irgendwie eine chronologische Reihenfolge angenommen hat.

Der dusseligste Start

Oder auch: Wenn einem das „Saisonmotto“ schneller um die Ohren fliegt, als gedacht.
Viele wissen, dass ich von Anfang an kein Fan dieses „Gemeinsam nach Oben“ war. Dieses Motto lässt einfach keine andere Alternative zu, als den Aufstieg. So weit, so gut. Das Problem daran: Der große F.C. Hansa an sich. Große Töne haben bei uns irgendwie noch nie Positives bewirkt. Im Gegenteil: Immer wenn man der Meinung war, große Ansagen machen zu müssen, ging das irgendwie grandios in die Hose. Dass das ganze allerdings schon am ersten Spieltag und dort quasi in der 1. Minute (Elfmeter für Cottbus durch Foul von Joshua Nadeau) losgehen sollte, war nicht nur peinlich hoch zehn, sondern letztendlich einfach der F.C. Hansa, wie wir ihn kennen.
Damit grüßten wir nach dem ersten Spieltag vom letzten Tabellenplatz und das Motto „Gemeinsam nach Oben“ war angesichts der Tatsache, dass nach unten auch kein Spielraum mehr war, gleich wieder der Running Gag der Woche.
Immerhin hat man aus dem Fehler gelernt und will diese Saison keine so großen Töne spucken. Oder wie es ein nicht ganz unbekannter Rapper formuliert hat: „Bin mir der Stärke bewusst, aber schrei sie nicht raus, denn lieber stark unterschätzt als nur ein zu großes Maul“.

Das Highlight der Saison

Wie gesagt, chronologische Reihenfolge und so. Dem ist geschuldet, dass das Beste eben mal nicht zum Schluss kommt… obwohl, irgendwie schon, aber vorher lest ihr gefälligst den ganzen anderen Kram dazwischen 😉
Was soll man zu dem Spiel gegen Stuttgart noch groß sagen? Wenn man in den letzten Jahren überhaupt an der ersten Runde teilnehmen durfte, dann immer mit dem Gedanken „Vielleicht geht ja was“. So wirklich war das nie der Fall und für die guten Auftritte im Pokal kann man sich am Ende halt nichts kaufen, wenn man trotzdem rausfliegt. In dieser Saison war das aber anders. Dieser Moment kurz vor Schluss, in dem nach einem gelungenen Konter der Ball zum 2:0 ins Tor fliegt und eine Mischung aus Freude und Erleichterung zu einem brachialen Jubel wird, wird ohne Zweifel in die Kategorie „Unvergesslich“ eingehen.

Die bitterste Niederlage

Würde es hier nur um Party, Freude und Tralala gehen, wäre das ja irgendwie auch nicht unser F.C. Hansa. So war es dann ausgerechnet wieder der DFB-Pokal, der beim Rückblick wieder für lange Gesichter und schlechte Laune sorgt. Wenn man so kurz davor ist und dann doch noch dieses elende Gegentor frisst, dann ist das einfach nur hart. Abgesehen davon entpuppt sich unser Verein scheinbar als das England des DFB-Pokals. Als Hansafan hat man sich ja irgendwie an vieles gewöhnt, was mit Niederlagen und Pech zu tun hat. Aber keine der noch so bitteren Niederlagen hat so sehr und vor allem so lange wehgetan, wie diese im Pokal gegen Nürnberg.

Der glücklichste Sieg

Ich habe tatsächlich eine Zeit lang überlegt, es als „unverdientesten Sieg“ zu bezeichnen, aber das wäre dem, was sich da abgespielt hat, nicht gerecht geworden. Ein schlauer Mensch hat mal gesagt, dass man um zu gewinnen immer ein Tor mehr schießen muss, als der Gegner. Heißt: Ist der Gegner zu dusselig, ein Tor zu erzielen, dann reicht eben ein einziges Tor. Und wenn dieses eben schon in der 3. Minute fällt, dann ist das halt so. Auf jeden Fall gab es letztendlich (wie eigentlich jedes Jahr in Halle) wieder Grund genug für ein klassisches „Seht ihr Halle, so wird das gemacht!“, bevor sich dann 1.200 zufriedene Leute auf den Weg nach Hause machten. Der Weg ist in Halle ja bekanntlich kein ganz so schneller, weil trotz vollem Gästeblock und der Tatsache, dass an einem Wochentag so ziemlich jeder mit dem Auto anreist, einfach mal ganze zwei Shuttlebusse zur Verfügung gestellt werden. Daher ist es vor allem bei solchen Auswärtsspielen nicht schlecht, dort regelmäßig zu gewinnen… wer weiß, wie das ausgeht, wenn 1.000 aufgeladene und genervte Leute ewig nach Spielende in der Straße hinterm Block festgehalten werden, weil alle halbe Stunde mal zwei Busse vorbeikommen, die die Leute zum Parkplatz fahren sollen. Das aber nur mal so nebenbei, weil mir das dort schon seit Jahren auf die Ketten geht.

Der größte Frust

Das Gemecker grade war eigentlich eine gute Überleitung bzw. Einstimmung auf das, was jetzt kommt. Beim großen F.C. Hansa spielt Tradition eine ganz entscheidende Rolle. Es liegt sowohl an uns Fans, als auch an allen, die im Verein was zu melden haben, diese Traditionen zu wahren. Eine dieser Traditionen ist, dass irgendwann im laufenden Spieljahr der Moment kommt, in dem es eine Trainerdiskussion gibt, irgendwelche Schnellschüsse abgefeuert werden oder aus irgendeinem spontanen Grund auf einmal absolute Unruhe im Verein herrscht. Diesmal entschloss man sich, einfach alle drei Möglichkeiten zusammenzupacken und wählte dafür traditionell die Zeit um das Weihnachtsfest aus. Nach den wirklich peinlichen Auftritten in den letzten beiden Heimspielen des Jahres 2018 war dann mit Pavel Dotchev auch der nächste Trainer in der Historie des Vereins wieder Geschichte. Meine Meinung dazu ist bekannt und soll hier nicht weiter ausdiskutiert werden. Fakt ist im Prinzip nur eins: Ohne den großen F.C. Hansa hätte Energie Cottbus schon frühzeitig als Absteiger festgestanden.

Die beste Beleuchtung

Der Preis für die beste Beleuchtung der Saison wird Ihnen präsentiert von Meister Lampe aus Berlin Lichtenberg und geht in diesem Spieljahr an das RIU Kaya in Belek. Spaß beiseite. Für mich stand in diesem Jahr mit dem Flug ins Trainingslager eine neue Erfahrung an. Nach Jahren voller Ausbildung, Studium, Klausuren und irgendwelchen gebrochenen Knochen, konnte mich diesmal nichts aufhalten… außer vielleicht die Angst vorm Fliegen. Nachdem selbst das überstanden war, stand einer Woche voll Spiel, Spaß, Spannung und feinstem Wetter nichts mehr im Weg. Oder wie wir in der Woche zu sagen pflegten: „Schönen Urlaub“ haben sie gesagt. „Genieß‘ das Wetter“, haben sie gesagt…
… dass im Hotel aufgrund des Unwetters sogar Scheiben zu Bruch gehen sollten, hat einem vorher wieder keiner gesagt.

Der größte Aufwand

Dass ich diese Kategorie hier eingefügt habe, hat eigentlich nur zwei Gründe: Erstens merke ich selbst, dass ich seit meinem Umzug nach Berlin einfach verwöhnt bin, was die Fahrten angeht und zum Anderen brauchte ich einfach noch etwas, um die Zeit zwischen Trainingslager und Saisonende zu überbrücken. Aufgrund von Geiz bezüglich meiner Urlaubstage und der Tatsache, dass zu diesem Zeitpunkt auch die Überstunden etwas knapp wurden, wurde die damals neu abgeschaffte Kernzeitregelung auf Arbeit gleich mal ausgenutzt. Von 6 bis 9 wurde fleißig Papier hin und her geschoben und dann war auch schon Abfahrt (an die Leute, die gegen Aalen mit im Bus saßen: Ich kann das Wort „Abfahrt“ nicht mehr normal aussprechen… danke dafür). Mit dem ICE ging es zunächst zu einem meiner Lieblingsumsteigebahnhöfe aus meiner Münster-Zeit. Allgemein liefen an diesem Tag sowohl An- als auch Abreise nicht ganz problemlos. Das lag zum einen am Hamburger Hauptbahnhof und zum anderen an der Brandenburger Polizei (dabei waren wir gar nicht schneller, als die Polizei erlaubt *hust*). Getreu dem Motto „Der Trainer hat immer recht“ gewann Hansa das Spiel tatsächlich, was das Aufstehen nach nur anderthalb Stunden Schlaf am nächsten Tag zumindest ein klein wenig erträglicher machte.

Das tollste Happy End

Es traf sich einmal, dass ein Hansa-Chaot sich (aus welchem Grund auch immer) für längere Zeit im dunklen Sachsenland aufhalten musste. Irgendwann traf er dort Leute, die immer mit ihm zu den Spielen seines geliebten Vereins fuhren. Aber irgendwie wollten alle immer nur zu den Auswärtsspielen fahren. Keiner hörte auf seinen Ruf, doch einfach mal zu den Heimspielen zu fahren, weil das dem Verein deutlich mehr bringt. Keiner? Nein. Irgendwo war da ein junges Mädel, das sich das zu Herzen nahm und von da an bis zum heutigen Tag kaum ein Heimspiel verpasste. Der Chaot verließ irgendwann das Sachsenland und damit auch eine mittlerweile stattliche Gruppe, die inzwischen zu jedem Heimspiel den gefährlichen Weg auf sich nahm. Irgendwann kam es, dass der Chaot von einer bösen Hexe aus allen Stadien des Landes verbannt wurde und fortan nicht mehr an den Spielen seines geliebten Vereins teilhaben konnte. Eines Tages stellte sich jedoch heraus, dass die böse Hexe ihn zu Unrecht verbannt hatte. Dies stellte die böse Hexe ausgerechnet am Tag seines Geburtstags fest. Sie sprang über ihren Schatten, gestand sich den Fehler ein und versuchte ihm mitzuteilen, dass er ab sofort wieder zu seinem geliebten Verein gehen könne. Allerdings dauerte das natürlich seine Zeit, bis diese Nachricht ankam. Dazu kam die Tatsache, dass der Chaot Nachrichten der bösen Hexe eigentlich gar nicht mehr annehmen wollte, weil sie für ihn stets mit Ärger verbunden waren. Er entschied sich jedoch anders, nahm die Nachricht, die am Spieltag eintraf doch an und durfte so nur wenige Tage nach seinem Geburtstag endlich wieder zu seinem geliebten Verein.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Ende.

Der beste Auswärtssieg

Hier musste ich lang überlegen, ob ich das Spiel in Kaiserslautern oder in Osnabrück nehme. Das Spiel in Lautern lief in allen Belangen einfach nur glatt, aber es fehlte dieser eine kleine Punkt, den das Spiel in Osnabrück dem ganzen voraus hatte.
Der Unterschied bestand darin, dass das Spiel in Osnabrück zunächst einmal an einem Freitag stattfand, worauf man generell eher wenig Lust hat. Dazu kommt, dass bis auf wenige Ausnahmen wirklich fast nur Leute da waren, die irgendwie IMMER da sind und die Tatsache, dass man sich sportlich nichts ausgerechnet hatte. Wenn man in einen Block mit diesen Voraussetzungen einfach mal ein bisschen gute Laune, Glaube an eine glorreiche Zukunft des Vereins, einen Funken Selbstironie und ein zu all diesen Sachen passendes Lied packt, hat man die perfekten Zutaten für eine Stimmung, die ihresgleichen sucht. Die Osnabrücker haben auf jeden Fall gut abgekotzt, dass sie nicht nur das Spiel verloren, sondern trotz feststehenden Aufstiegs auch in Sachen Lautstärke von den Rängen nicht mal ansatzweise was zu melden hatten. Es sei ihnen gegönnt.

Das größte Comeback

Nach jahrelangen Einzelkämpferfahrten von Münster macht es der neue Wohnort in Berlin möglich, endlich wieder mit der sagenumwobenen Mitteldeutschen Reisegruppe unterwegs zu sein. Das Highlight schlechthin sollte die Busfahrt zum letzten Auswärtsspiel nach Aalen werden. Keiner hätte sich wahrscheinlich bei der „Gründung“ träumen lassen, dass es möglich ist, einen Bus mit 80 Leuten voll zu bekommen. Dass das nicht nur im wörtlichen, sondern sogar im doppelten Sinne gelang, war eine wahre Meisterleistung in Sachen Organisation, Verhandlung und Getränkebeschaffung. Ein riesengroßes Dankeschön und allergrößten Respekt deshalb an alle Beteiligten. Ich bitte um eine schnellstmögliche Wiederholung. Vielleicht kann man dann mit dem Busunternehmen abklären, dass der Bus nicht sechs Stunden nach Wiederankunft für eine Klassenfahrt genutzt wird. Ich als bekennender Nicht-Trinker hatte da schon ein bisschen Mitleid mit unseren Nachfolgern.

Der filmreifste Spielverlauf

Traditionell geht es nach dem Saisonende noch einmal zu einem Spiel der Amateure. Dieses Jahr sollte das Spiel in Brandenburg das auserwählte sein. Aufgrund der dort gelebten Gastfreundlichkeit wird das auch definitiv der letzte Besuch dort gewesen sein. Mit reichlich Verspätung irgendwann nach Anpfiff angekommen, ging die Nerverei schon am Einlass los. Aus irgendeinem Grund sollte jeder am Einlass seinen Ausweis vorzeigen. Welche Mission sich dahinter verbergen sollte, wollte uns keiner erklären. Irgendwo zwischen Ordnern und Polizisten stand dann mal ein Typ, der jeden dritten anpampte, wo er denn seine Karte habe. Mit Blick auf das geschlossene Kassenhäuschen am Eingang kam dann von so ziemlich jedem die Gegenfrage „Wo soll ich die denn her haben?“. Es stellte sich dann heraus, dass genau dieser Typ die Karten aus seiner Tasche heraus verkaufte. So wurde brav gezahlt und dann irgendwann auch endlich mal ein Fußballspiel gesehen. Mitte der zweiten Halbzeit fiel dann irgendwann das 2:0 für die Brandenburger, was allen im Gästeblock richtig gegen den Strich ging. Umso schöner war es dann, dass sich die Amas quasi aus dem Nichts aufrappelten und innerhalb kürzester Zeit einfach mal das Spiel komplett auf den Kopf stellten. Seht ihr Halle, so wird das… ach nee, falsche Mannschaft. Beim Feiern mit der Mannschaft hörte man dann die ganze Zeit einen der Ordner (der übrigens erschreckende Ähnlichkeiten mit dem seltsamen Kartenverkäufer hatte) quäken, der ständig „Die Polizei soll reinkommen!“ dazwischen rief. Warum wusste er wahrscheinlich selbst nicht. Nach dem Spiel durfte man dann das Stadion ohne Abgabe von Personalien nicht verlassen. Der Grund zunächst: Einlasssturm vor dem Spiel. Mit dem Argument „Wenn ich ne Karte habe, bin ich dann ja fein raus“ war man aber irgendwie überfordert. Plötzlich hieß es „Pyrotechnik“. Alles klar. Warum allerdings wegen zwei gezündeter Rauchtöpfe von allen Anwesenden die Personalien aufgenommen werden sollten, konnte auch an dieser Stelle keiner so richtig rechtfertigen. Als alles nichts mehr half, war dann auf einmal von einem Raub die Rede. So richtig konnte einem aber keiner erklären, was da genau Phase war, sodass es am Ende wieder einfach nur nervig war und unnötig die Abfahrt verzögert hat.

Trotz der nervigen Nebengeräusche ein gelungener Abschluss einer Saison, die wieder mal fernab von großen Abstiegssorgen mehr oder weniger vor sich hin lief. Man ist ja irgendwie anspruchslos geworden, von daher bin ich persönlich schon zufrieden, wenn wir mal ein Spiel verlieren können ohne dass ich das ganze Wochenende Bauchschmerzen haben muss.

Und wenn ich gerade sehe, wieviel das hier schon wieder geworden ist, dann dürfte das wahrscheinlich reichen, um halbwegs ohne Entzugserscheinungen in Richtung von Phase 3 zu rutschen.

Genießt die freie Zeit!

PS: Vielen Dank noch an die Hansafans Schwerin für das gelungene Turnier und vor allem die Einladung. Wir werden alles versuchen, die Platzierung im nächsten Jahr zu bestätigen
#Erstervonhinten

Werbeanzeigen

Hansa, Sonne, Strand und Meer

April 25, 2019

IMG_2701Ich muss ja zugeben, dass das Trainingslager schon seit ein paar Wochen Geschichte ist, aber an meinem freien Tag nutze ich jetzt trotzdem einfach mal die Zeit, um das, was meine Notizen und Erinnerungen aus der Woche noch hergeben, mal zu „Papier“ zu bringen. Während der Anfang dieses Berichts bereits direkt nach dem Trainingslager entstanden ist, musste ich für die zweite Hälfte meine grauen Zellen ganz schön anstrengen, weil inzwischen gute drei Monate vergangen sind. Doch gerade für diesen Teil gilt dann wohl, dass die wichtigsten und vor allem einprägsamsten Sachen es letztendlich auch verdient haben, hier erwähnt zu werden.
Wie immer dient das alles hier nur, um die Erinnerungen für mich und andere dabei gewesene festzuhalten und mit denen zu teilen, die nicht das Glück hatten.
Aber nun zurück zum Titel:

„Hansa, Sonne, Strand und Meer!“, das sind zumindest grob die Gedanken, die einem durch den Kopf kreisen, wenn man sich mehr oder weniger überreden lässt, mit ins Trainingslager zu fliegen. Für die größten Zweifel sorgte zur Abwechslung mal nicht das Geld, sondern eher das Reiseziel, das sich unser geliebter Verein ausgesucht hatte. Schon im Vorfeld war deutlich geworden, dass ein nicht unbedeutender Teil der sonst begeisterten Trainingslager-Fahrer aus diversen Gründen diesmal nicht dabei sein sollte. Aufgrund der Tatsache, dass es für mich nach sechs Jahren Ausbildung und Studium endlich mal finanziell drin war, zögerte ich letztendlich doch nur kurz, bevor Urlaub beantragt und die Reise gebucht wurde.
Für mich begann die Aufregung schon mit dem ganzen Ablauf. Noch nie hatte ich mich um eine solche Reise selbst kümmern, geschweige denn ohne Mama und Papa irgendwohin fliegen müssen. Zum Glück war zumindest einer aus unserer Reisegruppe noch aufgeregter als ich, sodass ich mir vergleichsweise wenige Sprüche deswegen anhören durfte.
Das Abenteuer begann irgendwann am Freitagabend. Nachdem die Lokalitäten in der Nähe des Alex gesichtet und für nicht geeignet erklärt wurden, ging es früher als geplant in Richtung Flughafen. In entspannter Runde und umgeben von einer nicht ganz so entspannten Putzfrau wurde bei einer kleinen Cola die Zeit totgeschlagen, eh es dann in Richtung Flieger ging. Der Weg dorthin war für einige beschwerlicher als geplant.

Während einige bereits am Check-In beinahe an die Grenzen ihrer Reiseanbieter gestoßen wären, betrachtete ein anderer Kandidat seine Reise schon bei der Passkontrolle als beendet. Spätestens als der freundliche Beamte dann nach 20 Minuten den Pass an den Kollegen abgab und dabei mit dem Kopf schüttelte, war für ihn innerlich schon Feierabend. Letztendlich durfte er natürlich die Reise mit antreten und alle Mitreisenden hatten größte Freude daran, ihn immer wieder mit dieser Geschichte aufzuziehen, sobald er mal etwas vorlaut wurde. Dass er selbst im Laufe der Woche noch dafür sorgen würde, wegen einer ganz anderen Geschichte für immer wiederkehrende Sprüche in seine Richtung zu sorgen, ahnte er wahrscheinlich in diesem Moment selbst noch nicht. Von dem Spruch „Als ich vor 20 Jahren das letzte Mal geflogen bin, war das noch erlaubt“, kann ein weiterer Mitreisender ein Lied singen, was aber bereits groß und breit ausgewertet wurde und der betroffenen Person zuliebe an dieser Stelle mit dieser kurzen Erwähnung auch erledigt sein soll.

Der Anflug auf Antalya gestaltete sich selbst für mich als bekennenden Angsthasen ziemlich entspannt. Das einzige, was für schlechte Stimmung sorgte, war das Wetter. Bereits auf dem Weg ins Hotel konnte man die ersten Ausmaße des beständigen Regens erkennen. Im Hotel selbst trafen dann alle so ziemlich zur selben Zeit ein, womit dann mit einem Schlag etwa 25-30 Leute an der Rezeption standen. Zwei jungschen Kerlen, die zu dem Zeitpunkt ebenfalls dort standen und der Fanschaft eines anderen Ostvereins zuzurechnen waren, war das nicht ganz geheuer. Die Tatsache, dass sich wenig später nahezu die komplette Gruppe dieser Bengels an der Bar einfand zeigte, dass diese wohl ziemlich schnell Bericht erstattet hatten und man nun Präsenz zeigen wollte. Dabei blieb es dann aber auch. Für die Frage, ob von Seiten unserer Gruppe irgendwelche Ambitionen bestehen würden, suchten sie sich nämlich ausgerechnet den Tagesvollsten aus. Dieser erstickte mit einem einfachen „Ich weiß ja nicht, was eure Mission hier ist… aber wir sind nur zum Saufen hier“ jegliches Theater schon im Keim. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte man registriert, dass die Mitarbeiter im Hotel eher unentspannt waren und so richtig hatte keiner Lust darauf, sich gleich am ersten Tag irgendwas einzutreten.

Nicht ganz so clever waren wir dann aber bei der Wahl des Wegs zum Training. Während wir uns mit dem Gedanken „So weit kann das nicht sein“ zu Fuß auf den Weg machten, schüttete es wie verrückt, sodass eigentlich bereits vor unserem ersten besuchten Training so ziemlich alle schon die Schnauze voll hatten. Ordentlich durchgeweicht wurde dann noch die letzte halbe Stunde des Trainings verfolgt, ehe es dann per Taxi zurück ins Hotel und erstmal ab unter die Dusche ging. Zurück an der Bar konnte man dann erahnen, dass einige Leute die Zeit etwas sinnvoller genutzt hatten und so konnten einige am ersten Abend schon einen ordentlichen Pegelstand vermelden. Während einer noch heute bestreitet, mit seiner angeblich kaputten Karte einfach nur vor der falschen Tür gestanden zu haben, machte ein anderer aus seiner ganz besonderen Erfahrung mit dem Türkartensystem keinen Hehl.
Abgesehen davon verlief der erste Abend relativ entspannt, was aber wahrscheinlich allein daran lag, dass der Großteil der Leute seit über 40 Stunden auf den Beinen war.

CBWM0943Der nächste Morgen begann dann, wie so viele in den nächsten Tagen, mit Frühstück und dem Vormittagstraining. Dieses lief vergleichsweise locker, wahrscheinlich weil am Nachmittag das Testspiel gegen Sandhausen anstehen sollte. Die Torschussübung zum Ende des Trainings lief jedoch nicht ganz so gut und etliche Bälle grüßen wohl immer noch aus derselben Ecke, in der Soukous Elfmeter gegen Cottbus gelandet sein wird. Vorher wurde noch in zwei Gruppen das Verschieben geübt. So richtig konnte man sich nicht einigen, ob da A- und B-Mannschaft jeweils zusammen trainierten oder ob die Leute wahllos nach Positionen verteilt wurden. Einem, der besonders energisch behauptete, dass die erste Gruppe eindeutig die A-Mannschaft sei, wurde sofort entgegnet: „Mit Bischoff in der Innenverteidigung… ist klar“. Was vormittags noch spaßig gemeint war, zeigte sich dann im Testspiel als purer Ernst. Der Witz daran war, dass der alte Mann das nicht einmal schlecht gemacht hat. Erwähnenswert war hier noch die doch sehr lockere Einstellung von „Gästetrainer“ Koschinat, der es sich nicht nehmen ließ, zu einem Plausch an den Zaun zu kommen. Auch im Spiel war es interessant zu hören, welche Meinung er von der Taktik unseres neuen Trainers hat. Aber wie so oft, kann man da leider nur abwarten und Bier trinken (Ja, man munkelt, dass selbst ich im Trainingslager das eine oder andere Mal ein Bier in der Hand hatte – Alles böse Unterstellungen! Und wenn, dann hab ich das nur mal kurz für jemanden gehalten 😉 ).

Das Wetter präsentierte sich an diesem Nachmittag von seiner schöneren Seite. Ganz optimal war die Stimmung jedoch trotzdem nicht, was aber daran lag, dass Hansa mit der Anlage ein bisschen ins Klo gegriffen hat. Sobald jemand Hotelfremdes einen Schritt zu weit nach links oder rechts gemacht hat, stand sofort der bewaffnete Sicherheits-Johnny auf der Matte. Zum Testspiel auf der Hotelanlage sollten dann auch noch die Ausweise an der Einfahrt abgegeben werden, was ein Großteil der Fans zu Recht nicht hinnahm und deshalb das Spiel außerhalb des Geländes verfolgte.

Aufgrund des doch recht guten Wetters bewältigte man den Rückweg mehr oder weniger geschlossen zu Fuß. Während sich einige stundenlang beim Kauf von Suff-Nachschub aufhielten, marschierte eine dreiköpfige Putzkolonne vorneweg und beseitigte den Großteil der Spuren, die unsere Vorgänger aus dem roten Teil Sachsen-Anhalts hinterlassen hatten.

Der Abend war dann für viele wieder das Highlight des Tages, nicht zuletzt weil die Gruppe nochmal um mehr als zehn Leute wuchs, darunter zwei, die sich bereits am Mittwochabend mit dem Zug auf den Weg gemacht hatten. Verrückt. Im Laufe des Abends wurde dann immer deutlicher, dass man nun auch noch die Anhänger des nächsten sächsischen Vereins an der Backe hatte. Im Gegensatz zu den selbsternannten „Geilen Jungs aus der Saalestadt“ waren die zunächst eher weniger angriffslustig und beschränkten sich darauf, ihren Followern in irgendeiner selbst für mich schwer zu identifizierenden Sprache mitzuteilen, dass sie im Hotel alle unter den Tisch gesoffen hätten. Gut… wenn man halt sonst nix zu feiern hat. Dass sich der eine oder andere Verantwortliche aus deren Verein bei deren Mannschaftsabend intensiver und länger mit Hansafans unterhalten hat, als mit den eigenen Leuten, dürfte für sich sprechen. Aber das reicht an der Stelle auch wieder.

Der nächste Tag ist dann relativ schnell erzählt. Während in einem anderen Hotel die ersten Verluste wegen Gotteslästerung zu beklagen waren, wurde es bei uns ruhiger, auch wenn es auch hier nicht ganz ohne Zwischenfälle ablief. Das Management des Hotels erkannte jedoch, dass es clever ist, den Spielkindern ein paar Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, um zumindest in der Lobby ein bisschen Ruhe rein zu bekommen. Dieser Plan erwies sich als ziemlich gut, sodass die eine oder andere neue Beschäftigung gefunden wurde. Während vorn im Raum Dart und Fußball gezockt wurde, mussten in einem atemberaubenden Match auf erstaunlich hohem Niveau sowohl der Physio als auch der Co-Trainer eines ungarischen Erstligisten gegen die Hansa-Tischtennismacht die Segel streichen. Insider würden sagen: Seht ihr Halle, so wird das gemacht!

Am selben Tag entschied man sich zunächst in einer kleinen Gruppe, das türkische Pokalspiel Antalyaspor gegen Göztepe, das am Tag darauf stattfinden sollte, zu besuchen. Da irgendwann alle im Hotel anwesenden Fans denselben Plan hatten, wurde mit Hilfe der spontan gewählten Reiseleitung ein Bus für den nächsten Tag klar gemacht. Wenn nur der folgende Tag genauso glatt gelaufen wäre… aber dazu später mehr.
Am nächsten Morgen war dann wieder mal allerfeinstes Wetter in Belek und so hatte so ziemlich jeder, der heute zahlreich anwesenden Fans schon vor Beginn des Trainings die erste Dusche des Tages schon hinter sich. Als dann auch noch offiziell verkündet wurde, dass nach dem Training das große Bild mit Mannschaft und Fans gemacht werden sollte, kannte der Wettergott aber endgültig kein Halten mehr und es schüttete, was vom Himmel runter wollte. Abartig! Das führte dann auch dazu, dass das Gruppenbild wahrscheinlich so schnell im Kasten war, wie selten zuvor. Und während einige aufgrund der Darstellung auf einem zweiten Bild schon wieder Schnappatmung hatten, war der Großteil der auswärtig untergebrachten Fans schon wieder auf dem Weg zurück ins Hotel, wo am Abend dann die lustige Busfahrt nach Antalya starten sollte.
Der eigens für die „Almans“ zur Verfügung gestellte Bus setzte uns dann trotz etlicher Absperrungen und Sicherheitsbedenken der örtlichen Polizei direkt vor dem Stadion ab. Witzbold des Tages war dann der Busfahrer, der zunächst drauf bestand, 20 Minuten vor Abpfiff des Spiels wieder losfahren zu wollen. Dass das nicht in die Tüte kam war selbstverständlich und das machte ihm unser Reiseleiter auch mit Erfolg deutlich.
Vor der Abfahrt entstand aber zunächst ein weiteres Bild, diesmal mit den Fans aus dem „Scheiss Hotel“ (Insider), auf dem erstmals so richtig zu sehen war, welch stattliche Anzahl an Fans sich dorthin verirrt hatte.
Apropos verirrt: Durch ein Labyrinth an Ausweisen, Handyfotos, Passoligs und nicht funktionierenden Tickets fanden dann auch so ziemlich alle Beteiligten spätestens zur zweiten Halbzeit ins Stadion. In der zugegeben doch recht gar nicht mal so hässlichen Schüssel wurde dann ziemlich schnell ein leichtes Ungleichgewicht zwischen dem Aufwand für Versorgung/Sanitäreinrichtungen und dem für Sicherheitsgeschichten bekannt. Am Einlass konnte man dank modernster Technik noch sein vorher geschossenes Verbrecherfoto auf Bildschirmen bewundern, um dann mittels Drehtür durch einen meterhoch vergitterten Eingang ins Stadion zu gelangen. Bei all der Technik war für die sanitären Einrichtungen wahrscheinlich kein Geld mehr und so beschränkten sich diese bei den Frauen bzw. bzw. den großen Geschäften der Herren auf ein simples Loch im Boden. Kurz gesagt: Läuft!

IMG_2741Auch das sonst so lukrative Catering war auf einen Stand reduziert, an dem vornehmlich Chips verkauft wurden (man hörte von Touris, die sich umgerechnet 6 Euro für eine Tüte abknöpfen ließen).
Das wie oben schon gesagt recht schicke Stadion war leider total unterbesetzt. Trotzdem hingen an allen Ecken und Enden Fahnen irgendwelcher Gruppen, von denen man nur erahnen konnte, wo sie sich tatsächlich aufhalten würden, einsam in der Gegend rum. Letztendlich gab es wohl auf Heimseite drei Supportbereiche, wobei der, der uns am nächsten lag, von einem geschätzt 60-Jährigen mit lang gewachsener grauer Mähne angeführt wurde. Die Gästefans wurden im oberen Rang hinter Plexiglas versteckt und konnten sich letztendlich über den späten Ausgleich zum 3:3 freuen. Nicht ganz so erfreulich war das Ergebnis aus Sicht unserer Abteilung „Sportwetten“, die aufgrund der Einschätzungen einiger Experten einfach mal auf einen Sieg von Antalya setzten. Nach dem späten Ausgleich war da aber nichts mehr zu holen und so hatten sie zumindest die von Schadenfreude geprägten Lacher der umstehenden Hansafans auf ihrer Seite.

So richtig schöööön wurde es dann allerdings auf der Rückfahrt, wobei wir endlich beim anfangs angesprochenen Auftritt unseres gefährlichsten, beinah schon daheimgebliebenen Gruppenmitglieds angekommen wären. Auf der Fahrt zurück zum Hotel stellte dieser fest, dass die Brücken unterwegs durch eine äußerst kunstvolle Beleuchtung wunderbar in Szene gesetzt wurden. Während wahrscheinlich jeder zweite im Bus dachte „Hey, sieht echt schick aus“, das aber für sich behielt, musste er mit einem etwas lauten „Guck mal, wie schön die Brücken beleuchtet sind“ seinen Sitznachbarn und mit ihm den gesamten vorderen Teil des Busses darauf aufmerksam machen. Gefühlt jede Straßenlaterne wurde nun genutzt, um ihn kollektiv auf die schöne Beleuchtung aufmerksam zu machen. Auch heute noch verirrt sich das eine oder andere Bild mit Hinweis auf Beleuchtung in die Gruppe. Man munkelt, dass er seit diesem Tag gern auch „Meister Lampe“ genannt wird.

Nachdem wir dann etwa fünf Minuten vor Toresschluss nochmal kollektiv das Buffet im Hotel gestürmt hatten und alle satt und zufrieden in verschiedenen Ecken des Hotels saßen, sollte für die meisten ein weiterer Tag im Trainingslager vorbei sein und vor allem in Ruhe ausklingen. Nur einer hielt irgendwie nicht so viel von der ganzen Ruhe und hatte anscheinend noch ein ganz besonderes Date mit einem unserer sächsischen „Freunde“.

Am nächsten Morgen war wieder „Alltag“ angesagt und so machte sich eine vergleichsweise kleine Gruppe vom Hotel auf den Weg zum Frühtraining. Inzwischen hatten sich die Abläufe vor Ort auch ein bisschen eingespielt. Und als wäre das nicht schon schön genug, schaffte es ab diesem Tag auch die Fraktion „Zu gut für die dritte Liga“, sich mal zu einem „Guten Morgen“ gegenüber den Fans hinreißen zu lassen. Ein paar Leute sicherten sich schon mal eine der runden Kugeln, wahrscheinlich um schon mal das nötige Ballgefühl für das am Nachmittag anstehende Elfmeterschießen gegen den Torwarttrainer zu tanken. Bei allem Gemecker um das Auftreten einiger Spieler etc. sei an dieser Stelle auch mal erwähnt, dass vor allem dieser mit einem lockeren, aber respektvollen Auftreten gegenüber den mitgereisten Fans Punkte sammeln konnte. Es gibt dann doch einen feinen Unterschied zwischen dem „Wahnsinn, dass so viele Fans ins Trainingslager mitgereist sind“ in Interviews und dem letztendlichen Auftreten gegenüber diesen Leuten vor Ort. Soviel nur mal zwischendurch, denn die Woche war alles in allem einfach zu schön um sich über Leute aufzuregen, über die in einem Jahr hier eh keiner mehr redet.

Am Abend merkte man einigen dann an, dass die letzten Tage und Nächte ordentlich an den Kräften gezehrt hatten. Nachdem dann bei sämtlichen Events die restlichen Gäste abgezogen wurden und einige in der eigens für die Hansafans aufgemachten „Disko“ noch bis kurz nach Mitternacht abzappelten, um sich dann dem Genuss alkoholischer Getränke zu widmen, stieg die Zahl der Leute, die beizeiten ins Bett wanderten, Tag für Tag an. Allen voran unser Meister Lampe, der nach Aussage seines Zimmerkollegen nun auch im Hotelzimmer eine Vorliebe für sämtliche Beleuchtungsarten gefunden hatte.

Der vorletzte Tag stand dann eigentlich ganz im Sinne des Testspiels. Nach dem morgendlichen Training stand für zwei von uns noch ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden auf dem Plan. Dieser ließ es sich nicht nehmen, dafür sogar in unserem Hotel vorbeizukommen. Auch das und die Tatsache, dass er sich wirklich die Zeit nahm (und diese fast auch aus den Augen verlor) verdient an der Stelle einfach mal eine gewisse Anerkennung. Nach der Auswertung verschiedener Entscheidungen der turbulenten Winterpause, einiger Aktionen im Trainingslager und dem Auftreten einiger Spieler wurde Herr Marien noch darüber aufgeklärt, dass ein aus der Euphorie eines 4:1 Sieges heraus gesungenes „Nie mehr dritte Liga“ auch einfach mal ironisch gemeint sein kann und nicht zwingend als Aufforderung an die Spieler dient, jetzt völlig abzuheben. Ein gutes Beispiel dafür, dass man einige Missverständnisse aus der Welt räumen kann, indem man sich einfach mal zusammensetzt und miteinander redet. Ein Dank an dieser Stelle an den Vertreter des Mitgliederbeirats, der dieses Treffen ermöglicht hat. Das Gespräch wäre wahrscheinlich noch eine ganze Weile weitergegangen, hätte nicht am Nachmittag noch das letzte Testspiel angestanden.
Dabei konnte zum Glück ein Kick gegen den Ligakonkurrenten VfR Aalen abgewendet werden. Ich weiß gar nicht mehr, wer oder was das war, gegen den wir letztendlich gespielt haben, aber letztendlich sind es ja eh einfach „die anderen“.

IMG_2497.JPGMit zwei Bussen, dafür einer eigens für die Fanschar aus dem Kaya Belek kam die Horde im Sportpark an und bevölkerte gleich mal die Tribüne. Mittlerweile wusste man das Auftreten der örtlichen Policia auch einzuordnen und reagierte auf deren Anwesenheit wesentlich entspannter, als noch zu Beginn der Woche. Zu Beginn des Spiels entzündete sich aufgrund der ungewohnt hohen Temperaturen versehentlich die eine oder andere Fackel im Block. Anstatt – wie bei uns üblich – in Panik zu verfallen und lautstark „Bitte unterlasst das Abbrennen von Pyrotechnik! Ihr schadet damit nur euch und eurem Verein“ durchzusagen, schickte der Betreiber des Sportparks einen Typen mit einem Besen vorbei. Der lief dann unbeirrt während des laufenden Spiels zwischen den Zuschauern durch und kehrte in aller Ruhe die Überbleibsel der Pyroshow zusammen. Warum auch nicht? Ich bin der Meinung, dass sich das durchsetzen sollte. Zumindest kann ja keiner leugnen, dass die Vorstellung, Struppi mit nem Besen durch den Gästeblock fegen zu sehen, mehr Aufmerksamkeit erhalten würde, als diese aufgeregten, fast schon hysterischen Ansagen jedes Mal.

Das Spiel selbst wurde recht deutlich gewonnen, wobei sich insbesondere unsere Nummer 6, Mister „Das sind genau meine Spiele“ als Torschütze auszeichnete und mit einem „Du hast die Haare schön“ gefeiert wurde. Nachdem dann der Klassiker „Wir sind nur zum Saufen hier“ in „Ihr seid nur zum Laufen hier“ umgedichtet wurde und ein zweites gemeinsames Bild (diesmal mit freundlichen Gesichtern und Sonne) im Kasten war, ließ man den Tag wieder recht entspannt ausklingen und fragte sich, wie man wohl den letzten Tag so ganz ohne Training oder Testspiel verbringen sollte.

Die Antwort war dann schnell gefunden. Während einige anscheinend keinen Schlaf benötigten und schon am Morgen auf dem Weg zur örtlichen Einkaufsmeile waren, schliefen andere einfach bis zum Mittagessen durch. Ich selbst hatte mich für die zweite Variante entschieden und während ich noch reichlich verpeilt am Mittagstisch saß, erstatteten die vor Ort anwesenden Späher Bericht. Direkt auf dem Hotelgelände fand in diesen Tagen ein doch recht hochklassiges Nachwuchsturnier im Tennis statt. Bei strahlendem Sonnenschein und endlich auch mal Kurze-Hosen-Wetter wurde das eine oder andere Match verfolgt. Dass wir dabei ausschließlich beim Damendoppel am Start waren, lag natürlich einzig und allein daran, dass das „Spiel“ viel sehenswerter war, als das der Männer. Schnell kristallisierte sich dann auch ein Pärchen raus, das die Gruppe besonders in Herz geschlossen hatte und so ließ man sich hinreißen, dieses durch den Tag zu begleiten. Während die beiden das entspannt und mit reichlich Humor nahmen, war das den letzten Gegnern nicht ganz so geheuer. Nachdem sich in einer Tour beim Schiedsrichter beschwert wurde, rief der über die Wettkampfleitung einen der deutsch sprechenden Sicherheitsmenschen des Hotels. Dieser ließ ausrichten, dass man die Klappe halten oder des Gelände verlassen solle. Die ganze Prozedur zog sich letztendlich fast eine halbe Stunde und zum Wohle unserer Schützlinge entschieden wir uns nun, uns wie braves Tennispublikum zu verhalten. Zwischendurch konnte sich aber trotz größter Bemühungen keiner mehr zusammenreißen, was uns auch keiner wirklich verübeln konnte. Die größte Stänkerfrida auf dem Platz bekam von ihrer Mitspielerin den Ball mit voller Wucht gegen den Hinterkopf und sackte wie ein Schluck Wasser zusammen. Klingt erstmal nicht so lustig, aber da sie auch eher lachte, als irgendwelche Schmerzen zu äußern, war unsere Reaktion durchaus angemessen. Durch die von uns verursachte Verzögerung und die nun langsam einsetzende Dunkelheit musste das Spiel leider kurz vor dem Ende bei Rückstand für unser favorisiertes Doppel abgebrochen werden. Oder wie man in Fachkreisen sagt: Sieg oder Spielabbruch!

IMG_2805Der Abend stand dann ganz im Zeichen des Packtages und bereits früh am nächsten Morgen ging es wieder zurück in Richtung Heimat. Dies sollte gleichzeitig auch einer der letzten Flüge von Germania gewesen sein. Böse Zungen behaupten, dass der Konsum von selbst mitgebrachtem Alkohol der Hansafans Schuld am Untergang der Fluglinie ist. Immerhin hatte eine der Stewardessen, die scheinbar auch den gleichen Friseur wie Mirnes Pepic hat, Mitleid mit den besonders hungrigen Leuten im Flieger und spendierte auf Kosten des Hauses eine zweite Runde Sandwiches. Ich sags euch: Das ist der wahre Grund für die Germania-Insolvenz!

Mit ein wenig Abstand kann ich behaupten, dass die Reise ins Trainingslager eine meiner besseren Ideen der letzten Jahre war. Erfahrene Trainingslagerfahrer meinten, dass man in den letzten Jahren näher an der Mannschaft war, auch mal entspannt miteinander quatschen konnte. Dieses Jahr machte es oft den Eindruck, dass ein Großteil der Spieler da gar keine Lust drauf hatte. Wie dem auch sei, im nächsten Jahr sind eh wieder andere Leute am Start, also was solls.

Da ich hier schon mehr als genug geschrieben habe, beende ich das Ganze mit der Erkenntnis aus einer Woche Trainingslager:

Nie mehr Kaya Belek!

IMG_2846

Wie in den guten, alten Zeiten

April 23, 2019

4915201651410-1421143513Neuerdings ist das Schema hier ja ganz einfach: Wenn ich mir schon die Zeit nehme, mich zu Wort zu melden, dann muss irgendwas Besonderes passiert sein. Während die meisten jetzt wahrscheinlich der Meinung sind, dass das einzig und allein am Spiel in Lautern liegen muss, dann muss ich euch leider enttäuschen. Das Spiel, die Fahrt, das ganze Drumherum… ihr kennt mich ja mittlerweile.

Angefangen hat alles damit, dass eine eigentlich geplante Fahrgemeinschaft aus Gründen, auf die ich hier nicht näher eingehen will, nicht zustande gekommen ist. Dadurch kam ich in die Verlegenheit, mit „meiner“ alten Reisegruppe zu fahren. Was jetzt vielleicht ein bisschen wie ein Notnagel klingt, ist letztendlich ein richtiger Glücksgriff gewesen. Bedingt durch meine Umzug in die Weltstadt bin ich lang nicht mehr dazu gekommen, mit den Jungs (und Mädels) zu fahren. Umso schöner, dass man sich gefühlt hat, als wäre man nie weg gewesen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich an die „neuen“ Gesichter noch gewöhnen muss 😉

Schon am Treffpunkt, an dem ich zusteigen wollte, hätte ich beinahe den Rückweg nach Hause angetreten. Mit Ankunft des ersten Autos erreichte mich eine Nachricht, die mich sagen ließ: „Jetzt hab ich alles erlebt, mehr geht nicht!“. Unsere Pünktlichkeit in Person, the one and only Mister Zuverlässig hatte verschlafen. VERSCHLAFEN! Ich komm bis heute nicht drauf klar. Die Fahrt wurde trotzdem nicht ohne ihn angetreten und mit etwas Verspätung, dafür aber ohne personelle Verluste ging die fröhliche Fahrt los. Die Hinfahrt war geprägt von 20.000 Pullerpausen, sodass wir über eine Stunde nach Abfahrt in Hermsdorf immer noch mitten in Thüringen rumdümpelten. Man merkte zudem, dass die „Automatismen noch nicht so griffen“, wie man in der Fußballfachsprache so schön sagt. Deshalb kam es am Ende der ersten Pause zu einer kurzen Unruhe, nachdem im Schlussfahrzeug nach dem Losfahren festgestellt wurde, dass ein Mitfahrer abhanden gekommen war. Während sich die ersten aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung schon Sorgen machen wollten, wurde er von anderen beim fröhlichen Aufkleberabknibbeln erwischt und freundlich dazu aufgefordert, sich ins Auto zu bewegen.

Ohne weitere Zwischenfälle dieser Art verging die Hinfahrt dann doch recht schnell. Zu erwähnen sei hier noch, dass der Gruppenälteste natürlich aus Höflichkeitsgründen den Platz des Beifahrers im Führungsfahrzeug übernehmen durfte. Dass dieser aber scheinbar eine Frostbeule war und sich dazu noch leicht ungeschickt im Umgang mit dem Navigationsgerät anstellte, erschwerte die Lage für die restlichen Mitfahrer und vor allem für den Fahrer zwischendurch erheblich. So kam dann mal kurz Unruhe auf, als das Navi plötzlich versuchte, die schnellste Strecke nach Kiew zu berechnen. Man bekam in dem Moment auf jeden Fall einen kleinen Eindruck davon, welche Wirkung das klassische „Ich hab doch gar nix gemacht“ auf die Polizei haben muss. Aus der letzten Reihe konnte man dann angesichts der gefahrenen Umwege beim Blick nach hinten immer mal fragende Gesichter erkennen.

Generell lässt sich zur Hinfahrt sagen, dass sich trotz des Sonderzuges extrem viele Hansafans mit dem Auto auf den Weg Richtung Kaiserslautern gemacht hatten. Egal wo man unterwegs anhielt, überall traf man auf Fans, die dasselbe Ziel hatten. Zu diesem Zeitpunkt konnte man bereits ahnen, wie viele Fans sich letztendlich im Gästebereich einfinden sollten.

Vor Ort angekommen fuhr das vorneweg fahrende Auto erstmal ganz selbstbewusst am Parkplatz vorbei. Trotz der Feststellung, eben am Parkplatz vorbeigefahren zu sein, blieb die Gruppe zusammen und fuhr dann eben einmal kollektiv im Kreis. Clever wie wir waren, parkten wir dann neben dem Gästeparkplatz ab, was uns nach dem Spiel sogar noch nützlich werden sollte.

Der doch recht lange und sportliche Weg vom Parkplatz zum Stadion gestaltete sich ungewohnt entspannt. Alle hundert Meter mal drei Polizisten, die sich in angenehmer Zurückhaltung übten und dann wars das auch. Lediglich der am Himmel flatternde Hubschrauber sorgte für akustische Belästigung, über die man aber zur Freude des Tages mal hinwegsehen kann. Die sonst so groß geschriebene Fantrennung fand praktisch gar nicht statt und war irgendwie auch nicht nötig. Abgesehen von ein paar Sprüchen dürfte nix passiert sein. Oder wie einer unterwegs meinte: „Willst du Respekt von deiner Clique, dann…“ den Rest erspar ich euch uns uns lieber. Der Weg auf den Berg war auch der einzige Moment, in dem sich unsere Gruppe teilte. Nennen wir die beiden Gruppen einfach mal „fit“ und „nicht ganz so fit“. Letztendlich sind aber alle am Ziel angekommen, was aufgrund des Pegels einiger Mitfahrer schon eine beachtliche Leistung war, die man an der Stelle einfach mal honorieren muss.

Der Gästeblock erstrahlte an dem Tag in einem schönen blau und wusste optisch und ab der zweiten Halbzeit auch akustisch zu überzeugen.  Während in der ersten Halbzeit insbesondere im oberen Bereich noch deutlich Luft nach oben war, war der komplette Block in der zweiten Halbzeit wie ausgewechselt. Ich würde mich mal aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass allein das Auftreten des neuen alten Vorsängers vielen nochmal den Schub gegeben hat, den der ganze Block scheinbar gebraucht hat. Zuvor glich das alles eher einem Trauerspiel. Und man fährt ja schließlich nicht jeden Tag mit 3.500 Leuten auf den Betzenberg. Nachdem der blaue Mob dann zu seiner Stimmgewalt gefunden hatte, sprang der Funke allmählich auch auf die Mannschaft in weiß über.

Während man auf dem Platz in der ersten Halbzeit noch „Not gegen Elend“ sah, wandelte sich dies in der zweiten Hälfte zu „Effizienz gegen Elend“. Biankadi zeigte mal wieder, dass es bei ihm irgendwie nur Hop oder Top gibt. Entweder er spielt stark und macht seine Buden oder man könnte sich das ganze Spiel nur über ihn aufregen. Dazwischen gibt es irgendwie nicht viel bei ihm. Trotz alledem natürlich ein Lichtblick im Vergleich zu den ganzen zu höherem Berufenen, vor allem wenn man an die nächste Saison denkt. Die Aufstellung machte generell den Eindruck, dass sich noch der eine oder andere für einen neuen Vertrag beweisen soll, wirkte aber irgendwie auch wie ein Teller bunte Knete. Falls mir jetzt wieder jemand Nörgelei unterstellt: Bunte Knete an sich ist ja jetzt erstmal nix schlechtes. Man muss halt nur was Schönes draus formen. Dafür, dass das am Sonntag ganz gut gelungen ist spricht auch die Tatsache, dass man zu keinem Zeitpunkt so richtig Angst hatte, dass das noch in die Hose geht… was für Hansa ja eigentlich total untypisch ist.

Mit dem Sieg in der Tasche und reichlich guter Laune im Gepäck sollte es dann auf den Heimweg gehen. Dieser wurde dann auch angetreten, nachdem 30 Minuten lang darüber diskutiert wurde, ob die zehn Meter entfernte Tankstelle unseren Ansprüchen genügt oder nicht. Sie genügte und während die Geldbeutel der Fahrer um einiges erleichtert wurden, wurde der Rest fürs Erste mit einem Eis ruhiggestellt.

Das erste Restaurant mit der goldenen Möwe gehörte dann auch trotzdem uns und während die Hälfte der Gruppe halb verhungert direkt in den Laden steuerte, war die Fraktion der Spielkinder verschwunden und wurde erst nach gefühlt einer Stunde wieder gesehen. Um sich die Zeit zu vertreiben, wurde dann spontan ein Ball gebastelt. Falls irgendwer jetzt Mitleid hat, dass wir uns einen Ball aus Papier und Klebeband basteln mussten: Unsere Gruppe nimmt Spenden für einen neuen Ball gern entgegen. Die bisherigen wurden in den letzten Jahren allesamt einkassiert, weil die kleinen roten 50 Cent-Bälle ausm Kik anscheinend als gefährliche Gegenstände eingestuft sind. Liebe Grüße gehen in dem Zusammenhang raus nach Erfurt, Stuttgart, Burghausen und Cottbus.

Im weiteren Verlauf der Rückfahrt entdeckte man in einem Auto die gemeinsame Vorliebe für die „Fünfte Klasse Schulhof Gangster Mucke“ und so tönte ein Hit nach dem anderen von Bushido, Fler, Chakuza und Co. aus den Boxen. Während in den hinteren Reihen die pure Textsicherheit am Start war, herrschte in der vorderen Reihe nur noch entsetztes Kopfschütteln. War halt auch mal was anderes als die sonst ebenfalls beliebte 90er und Malle-Musik. Gleichzeitig war es auch ein schöner Abschluss, denn ein paar Minuten später war für mich schon wieder Feierabend.

Fazit des Wochenendes: Hansa kann auch Spaß machen und manchmal ist nicht nur das Wetter schön. Ansonsten gilt:

Du kannst dich MDR nicht entziehen. MDR fängt dich immer wieder ein.

Danke dafür!

Und auf einmal explodiert das Stadion

August 19, 2018

Kopie.jpgBesondere Anlässe erfordern besondere Maßnahmen und so seh auch ich mich „genötigt“, nach dem gestrigen Pokal-Auftritt mal wieder in die Tasten zu hauen. Den einen oder anderen Fehler möge man mir verzeihen, aber noch immer ist in mir drin alles voller Euphorie, was in Verbindung mit zu wenig Schlaf in der letzten Nacht wahrscheinlich nicht die beste Kombination ist.

Aber fangen wir wie immer von vorn an:
Mein Studium und damit auch die Fahrten aus Münster sind seit Ende Juli Geschichte. Mittlerweile hat es mich nach Berlin verschlagen, was natürlich insbesondere die Fahrten zu den Heimspielen deutlich angenehmer gestaltet.
Samstagmorgen gegen 10:00 Uhr geht es los. Noch leicht verschlafen schreibe ich auf dem Weg zum Bahnhof jemandem: „Ich hab bezogen auf Hansa eigentlich keinen Optimismus mehr, aber im Pokal ist es jedes Jahr dasselbe… irgendwoher kommt so ein Funken Hoffnung, an dem man sich hochzieht. Und dann ist man auch bei so nem Spiel wieder enttäuscht, wenns nix wird“. Ich versuche mir also die ganze Fahrt über einzureden, dass für uns heute nichts geht. Der Kader der Stuttgarter scheint übermächtig und wenn es nicht das ist, dann die Tatsache, dass der Schiedsrichter unserer Pokalpartie kein geringerer als Sportfreund Stieler sein sollte. Wer erinnert sich nicht gern an das legendäre Spiel gegen Osnabrück, mit zwei Elfmetern und zwei roten Karten in der ersten Halbzeit?
Aber es nützt ja nix und nach etlichen Staus und ordentlicher Stärkung in der Trotze steh ich dann pünktlich zum Anpfiff doch wieder auf meinem gewohnten Platz im Stadion. Der Gedanke beim Anpfiff: So lange wie möglich die Null halten und dann mal schauen, was drin ist.
Stuttgart kommt früh zu einem gefährlichen Abschluss, der aber völlig unplatziert zum Geschenk und guten ersten Ball für Gelios wird. Nur wenige Minuten später – und ich muss zugeben, dass die Entstehung komplett an mir vorbei ging, weil ich einfach viel zu aufgedreht war – läuft Soukou auf einmal von rechts allein auf den Torwart zu. Klar, der hat gerade scheinbar einen Lauf und trifft irgendwie alles, was nicht rechzeitig in Deckung ist, aber der wird doch nicht etwa? In der Situation? Gegen den Torwart? Aus dem Winkel? Doch, er wird! Und wie! Mit dem rechten Außenrist kloppt er den Ball in die Maschen und bringt das Ostseestadion damit zum ersten Mal an diesem Abend zum Beben. Irgendein wildfremder Mensch hinter mir gibt mir beim Torjubel eins mit dem Ellbogen gegen den Kopf, ich muss mich einmal kurz schütteln und überlegen wo ich bin, aber alles egal. Dieses frühe Tor kann nicht nur wichtig, sondern vielleicht auch DER Schlüssel zum Erfolg werden.
Von den grob geschätzt 23.000 Hansafans im Stadion hat in dem Moment wahrscheinlich mindestens die Hälfte auf die Uhr geschaut. Jeder, der da war weiß durchaus was es bedeutet, wenn Hansa so früh in Führung geht. Stuttgart wird mit der Zeit überlegen, kommt ein paar Mal gefährlich in Richtung Tor. Am Ende ist aber immer irgendein Fuß, Bauch, Hintern oder Kopf dazwischen. Und wenn alle Stränge reißen, dann ist da noch Gelios im Tor, der einen Sahne-Tag erwischt und zur Stelle ist, wenn er gefordert wird. Aufreger  dann Mitte der ersten Halbzeit das Foul auf Höhe der Mittellinie gegen Pepic. Denkt man an das oben angesprochene Spiel gegen Osnabrück mit eben jenem Schiri zurück, kommt einem da eine Szene noch relativ früh in der ersten Halbzeit in den Kopf, in der Sascha Schünemann einen Osnabrücker auf exakt dieselbe Art und Weise an gleicher Stelle abräumt und dafür glatt rot sieht. Aber manche sind eben gleicher als andere und so gab es für den Stuttgarter gestern für dieselbe Aktion nur den erhobenen Zeigefinger und ein Dudu vom, auch wenn ich es ungern zugebe, sonst guten Schiri. Von mir aus könnten sich die Schiedsrichter das allgemein auch mal auf die Fahne schreiben, den ganzen Kleinscheiss nicht mehr abzupfeifen.
Das aber nur so nebenbei, denn mit dem 1:0 geht es in die Pause. Der Besuch in der 27A fällt heute kurz aus, was daran liegt, dass ich einfach zu aufgedreht bin und nicht wirklich in der Lage, mit irgendwem ein anständiges Gespräch zu führen. Ich weiß nicht, ob das ein allgemeines Schicksal als Hansafan ist, aber irgendwie wächst bei diesem Verein der Druck nur noch mehr, wenn man in solchen Spielen mit 1:0 in Führung liegt. Man hat das Gefühl, plötzlich was verlieren zu können, was an diesem Abend eigentlich auch wieder völliger Quatsch ist. Aber ihr wisst schon, wie ich das meine.
Pünktlich und weiter mit Vollgas geht es in die zweite Halbzeit und die beginnt so, wie die erste aufgehört hatte. Stuttgart mit gefühlten 95 Prozent Ballbesitz und so sehr man sich wünscht, dass hinten nicht die spielerische Lösung gesucht, sondern der Ball einfach weit vom eigenen Tor weg geschlagen wird, muss man irgendwann einsehen, dass es genau diese Bälle sind, die wie ein Bumerang zurück in den eigenen „Gefahrenbereich“ kommen. Die Gänsefüßchen deshalb, weil im Nachhinein betrachtet vielleicht zwei Aktionen von Stuttgart wirklich gefährlich waren. Kai Bülow wird später sagen „Wir haben nur Querpässe zugelassen“ und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die Schwaben schaffen es einfach nicht, mal einen gefährlichen Ball in die Tiefe zu spielen. Ab und an kommt mal eine Flanke durch und entweder wird die rausgeköpft oder ein Stuttgarter haut die Murmel völlig ohne Not neben oder über das Tor. Egal welche der genannten Varianten eintritt… im Stadion wird alles bejubelt, wie bei anderen, erfolgsverwöhnteren Vereinen ein Tor.
Ich schaue gefühlt alle 20 Minuten auf die Uhr, um dann festzustellen, dass seit dem letzten Mal gerade einmal 3 Minuten vergangen sind. Noch nie hat sich ein Spiel so dermaßen gezogen.

Und dann ist er da, dieser eine magische Moment in der 84. Minute. Irgendwie lag schon vorher was in der Luft, auch weil Stuttgart aufgrund der Offensivbemühungen hinten aufmachen musste.
Wieder ist es der starke Soukou, der – gekonnt oder gestolpert (ist mir auch scheissegal) – zwei Gegenspieler ineinanderrennen lässt, Evseev anspielt, den Ball im zweiten Versuch zurückbekommt und im Fallen mit dem Rücken zum Tor und zum Mitspieler den Ball zum völlig freien Pepic weiterleitet. Was dann passiert ist erst Zeitlupe und dann eine regelrechte Explosion. Pepic trifft den Ball scheinbar gar nicht mal richtig, sondern drischt das Ding irgendwie direkt mit dem Schienbeinschoner in die linke untere Ecke. Der Ball fliegt und fliegt und fliegt… und liegt auf einmal hinter dem wieder geschlagenen Torwart der Gäste im Netz.
Plötzlich raffen 23.000 Leute gleichzeitig, was das bedeutet. Alle rasten aus, schreien gefühlt minutenlang ihre pure Freude und Erleichterung einfach nur raus, um dann dem Nebenmann, scheiss egal ob man ihn kennt oder nicht, in die Arme zu fallen. Selbst ich, sonst eher jemand, der sich mehr nach innen freut, muss von meinem Nebenmann vor einem Sturz in die Reihe vor mir bewahrt werden. Schon kurz danach muss ich mich ernsthaft zusammenreißen, weil sich eine kleine Träne ihren Weg bahnt. Ein einfach nur unbeschreiblicher Moment, den wahrscheinlich keiner der anwesenden jemals wieder vergessen wird.
Die Stimmung war schon die ganze Zeit stark, doch spätestens ab diesem Zeitpunkt kocht das Stadion endgültig. Nord, Ost, Süd, West… selten war das komplette Stadion so euphorisiert, wahrscheinlich auch, weil mit dem 2:0 der Druck abfiel. Plötzlich hatte Hansa auch wieder ein bisschen mehr Ballbesitz und mit jeder Welle, die da irgendwie auf die Süd zurollte, schwand die Angst und wurde mit jeder weiteren Sekunde einfach nur von purer Freude überlagert. Klar, wer nicht dabei war, wird sagen „Ich kann mir schon vorstellen, wie geil das war“. Aber nein. Einfach nein. Es war tausend Mal geiler, als ihr euch vorstellen könnt!
Der Abpfiff wird dann nochmal gefeiert wie ein Tor und nachdem sich auch die Mannschaft ihren verdienten Applaus abgeholt hat, leert sich das Ostseestadion so langsam. Während unten zusammengepackt wird, sink ich auf meinem Platz zusammen und merke in dem Moment erst einmal, wie kaputt ich eigentlich bin. Selten war ich wirklich über 90 Minuten so aufgedreht wie in diesem Pokalspiel und scheinbar werd ich halt doch einfach zu alt für den Scheiss.

An diesem Abend, in diesem Moment, ist unser Stadion wieder zu einer Festung geworden und bitte bitte bitte! Bitte lasst die jetzt nicht, wie es für den F.C. Hansa typisch wäre, von Würzburg einnehmen.

Hansa ist groß!

Der FCH ist wieder da

Mai 8, 2018

182229_548370548548477_659936058_nUnd mein Blog scheinbar auch!

05.05.2018 – 04:15 Uhr

Im Wohnheim kommt es auf meiner hoffentlich letzten Fahrt von Münster aus mal wieder zu einer Situation, die hier schon fast ein Klassiker geworden ist. Während ich mich auf den Weg zum Bahnhof mache, kommt mir zu dieser unchristlichen Zeit jemand aus meinem Kurs entgegen. Leicht wacklig auf den Beinen und in der Aussprache kommt von ihm nur ein „Wwww willssnn duin?“. Ich antworte mit einem kurzen „Zum Fußball“, weil alles andere für ihn in dieser Situation wohl zu viel Input gewesen wäre und hinterlasse damit einen reichlich verwirrten jungen Mann, der aber im Gegensatz zu mir jetzt in den Genuss kommt, sich ins Bett legen zu dürfen.

Für mich geht es stattdessen dank diverser – um mehrere Monate verlängerter – Bauvorhaben der Deutschen Bahn zwei Stunden eher als nötig in Richtung Rostock, um die Saison heimspieltechnisch sauber abzuschließen.

Und auch, wenn es nur noch um die goldene Ananas geht, sollte das Spiel doch irgendwie mal wieder etwas Besonderes werden, dazu aber später mehr.

Die Hinfahrt gestaltet sich reichlich entspannt. Irgendwann überwindet man dann doch die Müdigkeit und freut sich trotz der Strapazen dann doch wieder auf das Spiel und vor allem, auf die ganzen Leute, die man eben nur alle zwei Wochen zu den Heimspielen trifft.

Im letzten Zug von Bad Kleinen nach Rostock schaffe ich es dank ausgeklügelter Taktik und mit einem gewissen Maß an Dreistigkeit, mir einen Sitzplatz zu ergattern. Während ich entspannt aus dem Fenster schaue, beschäftigt mich in dieser Stunde eigentlich nur eine Frage. Während sich die Gedanken in den letzten Jahren zu dem Zeitpunkt und in dieser Phase der Fahrt immer um die schlimmsten „Was wäre wenn“-Szenarien von Abstieg, Klassenerhalt, Insolvenz und was weiß ich nicht alles drehten, galt es diesmal eine eher banale Frage zu klären: Kurze Hose oder nicht?

Tja, Zeiten ändern sich eben…

Mit der Ankunft gegen 12:00 Uhr ist die entspannte Grundstimmung aber kurz dahin. Das liegt zur Abwechslung mal nicht daran, dass am Bahnhof schon wieder ein Aufriss sondergleichen gemacht wird. Eher ist es die Tatsache, dass mir (warum auch immer genau zu dem Zeitpunkt) plötzlich einfällt, dass der Anpfiff schon um 13:30 Uhr erfolgt. Auf direktem Weg geht es also ins Stadion, wo heute mal für die komplette Spieldauer die gute alte 27A das Ziel sein sollte.

Im Normalfall steigt die Anspannung dann genau in dem Moment, in dem die Mannschaften noch einmal kurz in die Kabine verschwinden. Nur heute ist das irgendwie anders. Schon seit Tagen, wenn nicht gar Wochen geistert da im Hinterkopf herum, dass mit Tommy Grupe ein Spieler den Verein verlassen soll, der für viele irgendwie die letzte Identifikationsfigur war. Ein Spieler, bei dem man wusste: „Egal, was mit dem Verein passiert! Wenn er nicht muss, dann geht der nicht!“. Umso trauriger, dass genau dieser Moment kam und sein Vertrag nicht verlängert wurde. Schweren Herzens wartet man nun also darauf, dass bei der Verabschiedung genau dieser eine Name genannt wird. Und nachdem – vielleicht abgesehen von Marcel Ziemer – einige Namen genannt waren, die sich in die Liste der „Ach stimmt! Der hat ja auch mal bei uns gespielt!“-Spieler einreihen durften, war es soweit. Dass er sich die Tränen verdrücken muss und das ganze Stadion seinen Namen ruft zeigt nochmal, wie sehr er am Verein hängt und wie sehr sich ein Großteil der anwesenden Fans gewünscht hätte, dass er nochmal eine richtige Chance bekommt. Mit ihm verlässt ein Spieler den Verein, der nie große Worte rausgehauen hat, bei dem man immer den Eindruck hatte, dass es ihm unangenehm war, irgendwelche Statements abgeben zu müssen. Und der vor allem, wenn er denn mal spielen durfte, immer alles reingehauen hat und im Gegensatz zu anderen „Leistungsträgern“ auf seiner Position auch ein gutes Auge im Spielaufbau hat. Danke für alles, und nicht nur dafür, dass du am Dienstag, den 10.04.2012 um 19:02 Uhr gesehen hast, dass Uwe Möhrle im Abseits stand! Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg und dass du vor allem mal auf Dauer von Verletzungen verschont bleibst!

Als der erste emotionale Moment verdaut ist, geht es für die nächsten erst richtig los. Ohne das gewohnte Hansa Forever, dafür aber mit einem nicht weniger bekannten Lied wird eine beeindruckende Choreo präsentiert, die wahrscheinlich etliches toppt, was bisher im Ostseestadion gezeigt wurde. Und das mag was heißen!

Fußball gespielt wurde übrigens auch noch! Tommy Grupe bleibt ein Tor zum Abschied verwehrt, jedoch trifft mit Lukas Scherff einer, der das Potential hat, ähnliche Sympathie-Werte zu sammeln. Das Spiel an sich kann man dann grob als „sehr unterhaltsam“ zusammenfassen. Höhepunkt der zweiten Halbzeit ist dann irgendwie das 4:2 von unserem finnischen Superstürmer. Der Ball kommt mehr oder weniger zufällig zu ihm. Mit der Situation komplett überfordert bleibt er für den Bruchteil einer Sekunde stehen und schaut erstmal erschrocken in der Gegend herum, bevor er dann merkt „Scheisse! Ich hab den Ball!“, weiterläuft und die Kugel eiskalt im kurzen Eck versenkt! Wenn der Junge nicht früher oder später mal Nationalspieler wird, dann weiß ich auch nicht.

Es geht langsam dem Abpfiff entgegen und während von der Süd wieder einmal das „Ahu“ schallt, lasse ich den Blick durch Stadion schweifen. Überall, egal ob auf der Nord, Ost oder West, wird eingestimmt. Allgemein ist die Stimmung heute gar nicht mal so schlecht. Das gute Wetter, ein nicht ganz so unattraktiver Gegner und 17.000 Zuschauer. Da feiert sich der Gewinn der goldenen Ananas doch gleich viel besser.

Nach Abpfiff bekommen Tommy Grupe, Stefan Karow und Marcel Ziemer noch ihr Liedchen gesungen, bevor es für mich und etliche andere ganz entspannt in Richtung Bahnhof geht.

Da ist schon wieder Ausnahmezustand, aber durch den Sichtschutz durch kann man ganz gut sehen (Eigentlich ja schon ein Witz für sich), dass die Hallenser und ihre Freunde aus Leipzig auf dem Weg in den Zug sind und somit für meine Begleitung und mich nichts dagegen spricht, die knappe Stunde bis zur Abfahrt des Zuges in der Sonne zu verbringen.

Mit Trick 17 geht es also auf die Südseite und von dort schnurstracks in Richtung einer der Bänke auf dem leeren Platz vor dem Südeingang des Bahnhofs. Da haben wir die Rechnung aber ohne den Mann im Lautsprecherwagen gemacht, von dem nur ein „Jungs! Wartet mal noch nen Moment“ kommt. Während wir beide uns nur ungläubig anschauen und uns fragen, ob wirklich wir gemeint sind, beantwortet die fremde Stimme die Frage „Ja, genau ihr beiden da!“. Aber wir wären ja nicht die Füchse, die wir sind, wenn wir nicht einen Plan B gehabt hätten. Also geht es außenrum in Richtung der Bänke vor dem Bäcker. Aber das bleibt dem wachsamen Auge auch nicht verborgen und wieder meldete sich die Stimme: „Jungs! Das macht es nicht besser!“. Das Problem ist schnell ausgemacht und nachdem mein Begleiter sein Trikot fachmännisch verstaut hat, gibt’s vom Mann aus dem Lautsprecherwagen einen Daumen nach oben. Den Spruch „Ihr Service-Dienst der Bundespolizei! Sicher nach Hause kommen!“, kann sich der gute Mann dann scheinbar nicht mehr verkneifen und auch wir müssen kurz Schmunzeln.

Während wir dann entspannt auf unserer Bank sitzen, gibt es drinnen scheinbar Theater und etliche Leute, vornehmlich von Lok kommen zurück auf den Platz. Und plötzlich wird man auch wegen uns unruhig. Und das nicht etwa von Seiten der Lokis, die uns im Prinzip gar nicht wahrnehmen. Während jetzt scheinbar drei Leute ÜBER uns reden, fasst sich einer ein Herz und versucht es einfach mal mit der Taktik, MIT uns zu reden. Mit einer wirklich lockeren Art und ohne den gewohnten grummeligen Ton wird festgestellt, dass das Problem eigentlich gar keins ist und so können wir endlich entspannt die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges nutzen.

Irgendwann gegen 17:00 Uhr geht es auch für mich wieder in Richtung Münster, auch wenn die Rückfahrt Dank Baustelle und einigen Verspätungen ziemlich stressig ist, schaffe ich es sogar Dank freundlichem Busfahrer, eine halbe Stunde eher als geplant in mein Bett zu fallen.

 

Für mich war das wahrscheinlich die letzte Fahrt, die ich von Münster aus bestreiten durfte bzw. musste. Böse bin ich darüber nicht, weil ich auf diesen Fahrten wirklich bis auf wenige Ausnahmen immer allein unterwegs war. Dass das eher weniger spaßig ist, brauch ich hier wohl niemandem zu erzählen.
Das war übrigens auch der Grund, warum es hier so lange Zeit ruhig war.
Je nachdem, wohin es mich ab August verschlägt, kann ich euch aber Hoffnung machen, dass es hier wieder ein bisschen voller wird. Ich gebe jedenfalls mein Bestes und auch in der kommenden Saison ist die Dauerkarte schon gebucht!
Auf diesem Weg möchte ich auch noch kurz ein bisschen Werbung machen. Holt euch die Dauerkarte, wenn ihr die Summe stemmen könnt! Auch wenn ihr jetzt schon wisst, dass ihr nicht immer dabei seid. Ihr spart immerhin 7 Spiele und was noch wichtiger ist: Ihr spart euch das Gerenne vor den vermeintlichen „Highlight-Spielen“.
Bevor es für uns alle in die wohlverdiente Sommerpause geht, steht wie im letzten Jahr noch ein letztes Auswärtsspiel in Chemnitz an. Aufgrund der Tatsache, dass mit dem Start des Mitgliedervorverkaufs der Server den Geist aufgegeben hat, weil es scheinbar so viele Anmeldungen gab, ist wohl mit erhöhtem Aufkommen von Hansafans im Sachsenland zu rechnen.
Andere feiern ihren Verein, weil er aufsteigt und es seit Jahren halt einfach bombig läuft. Wir feiern unseren Verein einfach immer.

Wir sind Hansa!

Alle nach Chemnitz!

Hurra, ein Freitagsspiel!

November 30, 2016

182229_548370548548477_659936058_nFreitag, 13:30 Uhr!

Was zu Schulzeiten noch die schlimmste Aussage war, die einem ein Lehrer an den Kopf werfen konnte, war vergangene Woche der Start in ein neues Abenteuer in Sachen Hansa.

Statt zum Nachsitzen ging es zunächst mit dem Auto in Richtung Frankfurter Flughafen. Auf dem Weg dorthin machte sich besonders die A1 mal wieder beliebt. Dank eines routinierten Fahrers konnte ich dann aber trotz einiger Staus relativ pünktlich eine S-Bahn Richtung Wiesbaden erreichen.

Kaum am Bahnhof der hessischen Hauptstadt angekommen, war zügig klar, dass hier mal wieder leicht übertrieben wurde. Aber das soll nicht mein Problem sein.

Schnell den Rucksack ins Schließfach gepackt, die obligatorische Capri Sonne und ne Stulle fürs Stadion und los gings auf den etwa 10-minütigen Fußweg zum Stadion.

Dort sollte (mal wieder) der Sitzplatzbereich das Ziel sein. Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren hatte ich mal wieder meinen Ermäßigungsnachweis vergessen, wonach ich aber aufgrund meines jungen Aussehens sonst auch nie gefragt werde. Also ab zur Kasse und der mittlerweile gewohnte Satz „Einmal Sitzplatz ermäßigt bitte“. Und als könnte ich hellsehen, wollte die gute Frau natürlich ausgerechnet heute den Ausweis sehen. Nach kurzer Diskussion, in die sich auch die Leute hinter mir irgendwann eingeschaltet hatten („Sieht man doch, dass der Bengel noch keine 14 ist!“), bekam ich dann zusammen mit einem patzigen Kommentar endlich meine Karte.

Die nächste Hürde wartete dann in Form des Sicherheitsdienstes auf dem Weg ins Stadion. Nachdem ich schon im letzten Jahr unberechtigt meine Capri Sonne entsorgen musste, hatte ich mich diesmal informiert und hinterließ auf Seiten der Ordner einige überforderte Gesichter („Stadionordnung Punkt 15.1 dritter Punkt sagt: Ich DARF die Capri Sonne mit reinnehmen!“).

Und oben konnte ich dann auf die Frage der bereits Wartenden, was es denn schon wieder zu diskutieren gab, einfach mal mit „Ich hab den Ordnern mal kurz ihre Stadionordnung erklärt“ antworten.

Beizeiten wurden dann die Plätze eingenommen und nach ein paar wichtigen Durchsagen („Mein Name ist Claudia und wenn sie meine Stimme hören, geht es um Ihre Sicherheit!“) wurde auch das Spiel angepfiffen. Und das begann denkbar schlecht mit einem absolut dummen Gegentor, von dessen Sorte wir gut und gerne noch 3-4 weitere hätten fressen können.

Nachdem sich dann fast jeder der Wiesbadener Spieler mal seine Minute Auszeit auf dem anscheinend super bequemen Rasen gegönnt hatte, um danach wie ein junges Reh aufzuspringen und zum nächsten Sprint anzusetzen, wurde die Stimmung langsam dezent aggressiv. Wenn das faire Rausspielen des Balles ausgenutzt wird, um wirklich jeden Angriff der gegnerischen Mannschaft zu unterbinden, dann hat das von dieser Seite auch nichts mehr mit FairPlay zutun.

Folgerichtig wurde den Gastgebern dann auch zu einem ganz miesen Zeitpunkt noch der Ausgleich eingeschenkt, sodass sich zur Freude über das Tor für Hansa auch noch eine gewisse Portion Schadenfreude gesellte.

In der zweiten Halbzeit wurden mal wieder etliche Hochkaräter ausgelassen, was auch zum Teil daran lag, dass der Typ im Tor wahrscheinlich das Spiel seines Lebens gemacht hat.

Ansonsten ist es bei den Spielen in Wiesbaden immer dasselbe. Hinfahren, Spiel gucken, sich darüber aufregen, dass solche Mannschaften niemand braucht und wieder ab nach Hause.

Und genau so lief es dann auch. Der schnellste Weg zurück zum Bahnhof wurde dann mal wieder versperrt, was auch absolut berechtigt war. Wer kennt sie nicht, die ewige Feindschaft zwischen Hansa Rostock und Wehen-Wiesbaden? Und vor allem den Hass der 500 Wiesbadener gegenüber neutral gekleideten Personen soll ja bekanntlich richtig krass sein. Und ich dachte immer, solche Probleme gäbe es nur im Osten. Und als ob der nervige Umweg nicht schon genug gewesen wäre, lief das ganze dann darauf raus, dass man die letzten 500 Meter dann doch wieder gemeinsam mit den Heimfans laufen musste… verrückt!

Aber ein bisschen Bewegung hat ja noch niemandem geschadet, deshalb vielen Dank an der Stelle!

Entspannt ging es dann per S-Bahn nach Mainz und von dort aus per ICE ins mittlerweile arschkalte Münster. Irgendwann zwischen halb und um vier lag ich dann auch in der Falle und war irgendwie viel zu müde zum Schlafen.

Trotz ein paar schöner und witziger Situationen eher mal wieder eine Fahrt, bei der man sich im Nachhinein fragt:

Warum?

Ein Tag zum Vergessen! Oder?

November 20, 2016

IMG-20140124-WA0009Wenn man die beiden Turus-Ausflüge zum Pokalspiel und den Geschehnissen in Duisburg mal außer Acht lässt, dann ist es schon über ein halbes Jahr her, dass es an dieser Stelle mal etwas neues von mir gab.

Die verschiedenen Gründe sind den meisten bekannt: Wenig Zeit durchs Studium, ein paar Schritte kürzer treten und die Tatsache, dass ich in den meisten Fällen allein unterwegs bin und eh nicht viel zu Schreiben habe.

Der vergangene Spieltag bietet aber gleich mehrere Gründe, mich mal wieder auf diesem Wege zu Wort zu melden. Die typischen Geschichten mit der Deutschen Bahn und der Mitteldeutschen Reisegruppe, verwunderte Gesichter und auch was, was immer gut ist: Was zum Meckern!

Seit es mich nach Münster verschlagen hat, gestalten sich die Fahrten zu den Heimspielen deutlich entspannter. Zwei Stunden länger schlafen und keine ewige Fahrerei mit dem Auto zu irgendeinem Bahnhof. Da gönnt man sich mit ein paar Tricks dann auch gerne mal den Luxus, mit den schnelleren IC-Verbindungen zu reisen.

So auch gestern, doch wie so oft, wenn ich die Bahn hier erwähne, hat das natürlich auch dieses Mal einen Haken.

Kurz hinter Bremen die Meldung, dass zwischen Hamburg Hbf und Hamburg Altona ein Notarzteinsatz am Laufen ist. Da dieser selten nach weniger als einer Stunde beendet ist und gerade an der Stelle dann einfach mal der Halt am Hbf ersatzlos gestrichen wird, keine guten Neuigkeiten.

Aber Fuchs wie ich bin, wurde sofort der Plan geändert und mal wieder dem gar nicht mal so schönen Harburg ein Besuch abgestattet. Von da aus ist es noch möglich, den Hbf und somit die eventuell gesperrte Strecke mit dem eigentlich geplanten Zug zu umfahren. Der Zug fuhr zwar planmäßig, aber so war immerhin der Sitzplatz gesichert.

In Rostock angekommen, kamen mir sofort die ersten bekannten Gesichter am Bahnhof entgegen. Gut gelaunt wie immer und anscheinend auch wieder mit ordentlich alkoholischen Getränken versorgt, sollte es in Richung Schließfächer und dann weiter zum Stadion gehen. Beim Einschließen der Sachen tappte dann der Tagesvollste noch in eine böse Falle. Voller Freude und nichts Böses ahnend, stürzte er sich auf 2 Cent, die da einfach so am Boden lagen. Auf dem Weg nach oben stellte sich ihm jedoch die Tür eines geöffneten Schließfachs in den Weg. Baaaam! Schon beim Hingucken und dem Geräusch hatte ich sofort selbst Kopfschmerzen. Nachdem er also um 2 Cent und ordentlich Schädelbrummen reicher war, konnte es dann endlich weitergehen.

Bevor es ins Stadion ging, musste noch eine Stärkung her. Beim Verzehr der verdienten Bratwurst gab es dann von einem erfahrenen Mann noch den „Egal wie früh es ist, man geht nie ohne Frühstück aus dem Haus!“-Hinweis, der auch prompt mit einem Hinweis auf die Augen-Verdeck-Funktion seiner Mütze beantwortet wurde.

Das Stadion füllte sich dann nur sehr spärlich und so hielt sich auch die Stimmung sehr in Grenzen. Auch das Spiel tat sein Übriges, weil irgendwie alles nach Ansage passierte. Mein Nebenmann stellte früh fest, dass wir heute „Wenn überhaupt, nur durch Standards“ Tore machen würden. Und selbst vor dem 1:0 rutschte mir, während der Ball noch auf dem Weg Richtung Strafraum war ein „Gute Ecke!“ raus, ehe Tommy Grupe die Kugel versenken konnte. Ich trau mich gar nicht wirklich zu sagen, dass selbst von einem Elfmeter gegen uns vorher die Rede war…

Den Rest des Spiels kennt so ziemlich jeder. Ich will mich auch gar nicht groß daran aufhalten, dass wir mal wieder einen absolut lächerlichen Elfer PLUS rote Karte gegen uns bekommen haben. Was mich viel mehr aufregt ist die Tatsache, dass es ein Bremer Spieler seit drei Spielen immer wieder schafft, mir den Satz „Genau dieselbe Scheisse hat der beim letzten Spiel auch schon abgezogen“ zu entlocken. Dazu kommt die Tatsache, dass Bremen eben die Möglichkeiten hat, Millionen-Zugänge aus der Bundesliga einfach mal in der 2. Mannschaft einzusetzen. Eine klare Wettbewerbsverzerrung, die der DFB aber anscheinend genau so will und so werden die Rufe nach einer eigenen Liga für die Zweiten Mannschaften mal wieder lauter.

Reichlich angefressen ging es dann zügig zurück zum Bahnhof, wo man vergeblich auf die diesmal leicht dezimierte Reisegruppe aus dem mitteldeutschen Raum wartete. Exakt eine Minute nach Abfahrt des Zuges trudelte dann auch der Letzte ein und konnte Dank Verhandlungsgeschick auch noch den Heimweg mit der geplanten Verbindung antreten.

Kurz darauf setzte sich auch mein Zug in Richtung Hamburg und auch hier gab es wieder einige ungeplante Zwischenfälle.

Zunächst einmal wurde allerdings der Traum einer entspannten Rückfahrt zerstört. Eine wilde Gang junger Leute machte es sich direkt neben mir bequem und sorgte zusammen mit dem Fahrgast-Nerver und einem Ball für ordentlich Unterhaltung. Erst, als ein Schweriner mit der Ansage „Könnt ihr bitte ein bisschen Rücksicht nehmen? Hier muss jemand noch nach Münster fahren. Wenn ihr so weit fahren müsstet, würdet ihr nicht mal in Erwägung ziehen, zu Hansa zu fahren!“ um die Ecke kam, war für ein paar Sekunden Ruhe. Die Frage „Aber du fährst nicht wirklich zu Hansa, oder?“ war dann zumindest für mich der Beweis, dass meine Tarnung ganz gut funktioniert.

Ab Schwerin war dann aber wirklich Ruhe und während ich schon kurz vorm Wegnicken war, machte sich mein Handy bemerkbar um mir zu erzählen, dass mein Anschluss gefährdet ist. Anschluss gefährdet? Wir sind doch pünktlich? Denkste! Plötzlich die Durchsage, dass aufgrund eines Notarzteinsatzes im Moment keine Weiterfahrt möglich wäre. Tolle Wurst! Um unsere Anschlüsse würde sich selbstverständlich gekümmert. Als es nach einer halben Stunde weiterging, endete das „Kümmern“ in einem „Der ICE nach Hannover hat leider nicht gewartet“. Aber warum eigentlich Hannover? Genau das hab ich mich auch gefragt, aber aus irgendeinem Grund fährt man ab Hamburg nicht mehr direkt nach Münster, sondern darf diesen schönen Umweg fahren.

Und als wäre das nicht schön genug, sollte es jetzt auch noch drei Stunden dauern, bis der nächste Zug in Richtung Münster fahren sollte. So blieb also ein „bisschen“ Zeit, endlich mal die Struktur des Hamburger Bahnhofs zu verstehen. Etwa eine Stunde vor Abfahrt füllte es sich schon ordentlich am Gleis. Und wieder der Geistesblitz: Eingesetzt wurde der Zug in Altona, also ging es spontan per S-Bahn dorthin, um sich dort schon mal in Ruhe den Platz zu sichern, bevor am Hbf das Gedränge losgeht. Der Plan ging auch auf und so gab es auch endlich mal Gelegenheit, ein bisschen zu Schlafen.

Und dann kam es wieder zum absoluten Klassiker, seit ich von bzw. Nach Münster fahre: Irgendwo hinter Bremen einschlafen und checken, dass der Zug hält. Im Halbschlaf schnell die Sachen zusammengepackt, Jacke angezogen und raus aus dem Zug. Aber Stop! Irgendwie sah der Bahnhof heute früh noch anders aus. Hä? Was ist hier los? Haben die an nem Samstag den Bahnhof fertiggestellt? Vollkommen überfordert mit der Situation suchte ich nach einem Schild, um mich zu orientieren. Und das sorgte dann zusätzlich zur Müdigkeit und Überforderung für einen richtigen Schock. Kein Hinweis wo es hingehen sollte, sondern lediglich ein großes „Osnabrück“ war da zu sehen. Ansatzlos folgte die Kehrtwende zurück in den Zug und spätestens da war ich dann wieder hellwach. Kurz vor dem Ausstieg in Münster vergewisserte sich ein Zugbegleiter noch scherzhaft: „Diesmal aber wirklich?“

Vollkommen übermüdet und immer noch leicht angefressen aufgrund des Spielverlaufs ging es dann ins Bett, wo dann nicht mehr viel mit Gedanken an unberechtigte Elfer und fliegende Bremer war.

Gestern war also wieder mal so ein Tag, der irgendwie alles beinhaltete, was einem das Fahren zu den Spielen abgewöhnen würde. Und trotzdem hatte ich heute nichts besseres zutun, als eine Möglichkeit zu finden, wie ich am Freitag nach Wiesbaden und zurück komme.

Warum? Weil auch wieder bessere Tage kommen!

Hansa ist das Leben

Oh F.C. Hansa, ich liebe Dich!

April 9, 2016

IMG-20120819-WA0002Wenn es ein Spielverlauf und das ganze Drumherum nach sehr langer Zeit mal wieder schafft, mich zu einem Beitrag hinzureißen, dann muss schon irgendwas besonderes passiert sein.
Der Abend gestern in Großaspach war einer von der Sorte „unvergesslich“. Einer dieser Abende, die für so vieles entschädigen, was man auf sich nimmt.
Im Prinzip begann der Tag vollkommen unspektakulär. Nachdem der Lehrgang zumindest für diese Woche erfolgreich überstanden war, ging es auf die entspannte Fahrt nach Großaspach.
Vor Ort angekommen, zeigte sich das Wetter von seiner besseren Seite, sodass die Zeit vor dem Spiel unter den letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen wurde. Mit freundlicher Unterstützung eines anderen Fans gabs dann noch ne Spezi zum Nulltarif.
Zur Abwechslung ging es mal wieder in den Sitzplatzbereich. Dank Mengenrabatt, Rechenkünsten oder warum auch immer für entspannte 10,50 Euro pro Person. Bei solchen Preisen kann man das schon mal machen.
Der Gedanke, dass es dadurch ein entspanntes Spiel werden würde, ist allerdings völliger Quatsch. Ganze 30 Sekunden hab ich es auf dem Sitzplatz ausgehalten. Das lag zum größten Teil auch daran, dass Hansa wie schon gegen Münster gut loslegte. Schon in den ersten paar Minuten gab es ein paar gefährliche Szenen. Danach aber, und das ist auch eine Parallele zum letzten Heimspiel, eine Phase von gut 20 Minuten, in denen die anderen dem Tor deutlich näher waren. Ein paar Mal wünschte man sich dann, dass der Ball vielleicht doch mal hinten raus gedroschen wird, anstatt auch brenzlige Situationen spielerisch zu lösen. Mit Hilfe von Aluminium und einem starken Schuhen im Tor konnte man die Null hinten halten und nach starken Spielverlagerungen auf die rechte Seite zweimal selbst für Gefahr sorgen. Aus einer dieser Situationen entstand ein Eckball, den der bis dahin auffällige Garbuschewski vors Tor brachte, wo Hoffmann mit Anlauf und Präzision an den Ball kam und das Ding mit dem Kopf über die Linie drückte.
Angebliche 800 Gästefans brüllten ihre Erleichterung in die Aspacher Abenddämmerung und aus dem Augenwinkel konnte man beobachten, wie gefühlt der halbe Heimbereich ebenfalls aufsprang und sich dem Jubel anschloss.
Kurz danach war schon Pause und der zweite Durchgang sollte noch einiges auf Lager haben. Einerseits nichts für schwache Hansaherzen und andererseits doch so erleichternd, aber dazu später mehr.
Die zweite Halbzeit stand ganz im Sinne der Angriffsbemühungen von Großaspach. Nur durch wenige Angriffe und einige Konter konnte für zwischenzeitliche Entlastung sorgen. Wenn dann vielleicht Ahlschwede einen Schritt eher den Mumm zum Abschluss hat oder sich Andrist sein Traumtor vom Spiel gegen Wiesbaden für gestern aufgehoben hätte… hätte hätte. Vielleicht wäre dann nicht diese extrem geschlossene Mannschaftsleistung zustande gekommen. Zweimal sah es so aus, als wäre der Ball schon im Tor gewesen, als er in letzter Sekunde noch von einem Verteidiger auf der Linie geklärt wurde. Und wie immer, wenn Hansa mit nur einem Tor führt, gibt es gefühlte 20.000 Stunden Nachspielzeit. In der 93. Minute dann für Bruchteile einer Sekunde blankes Entsetzen, als Schuhen schon geschlagen war, und Ahlschwede irgendwie quer in der Luft lag und so den späten Ausgleich verhinderte. Was für eine Szene und doch einer der Momente, der alles aufzeigte, was diesen Abend so besonders machte. Es ist schon länger erkennbar, dass da scheinbar eine richtig gute Truppe zusammenwächst. Was das gestern aber für Ausmaße angenommen hat, war schon überragend und ich denke ich bin nicht allein, wenn ich den Wunsch äußere, dass das gern so weiter gehen kann.
Was aber nicht weniger überragend war, war der Auftritt im Gästeblock spätestens ab der zweiten Halbzeit. Bezeichnend dafür, dass Ziemer und ein Aspacher Spieler trotz längst unterbrochener Aktion weiter um den Ball kämpften, weil die Pfeife des Schiris einfach keine Chance gegen den Lärm aus ddm Gästeblock hatte. Ich weiß nicht, wann selbst mein Vater zum letzten Mal mit solch einem Ohrwurm das Stadion verlassen hat. Ein Lied, das so viel vereint, was so viele Leute im und um den Verein fühlen. Jeder, der mich kennt, hier immer mal mitliest oder mich schon mal im Stadion erlebt hat weiß, dass es mir sehr schwer fällt, Spieler zu feiern, die unser Trikot tragen. Zu oft wurde man von vermeintlichen Hoffnungsträgern enttäuscht, zu selten konnte sich mal ein Spieler nach übermäßigen Sympathiebekundungen zu einem längeren Verbleib bei unserem Herzensverein hinreißen lassen.
All das war gestern nach dem Spiel vergessen. Wer das gestern erlebt hat und vor allem, wie die Truppe mit geballten Fäusten in Richtung Gästeblock gekommen ist, der wird das nachvollziehen können. Alle negativen Gedanken, sogar die Abstiegsängste waren für ein paar Minuten vergessen. Als die Mannschaft dann noch ihre gefühlte Stadionrunde drehte, konnte auch ich nicht mehr anders. Aber gefühlt jedem Spieler wurde es von allen Seiten hinterhergerufen: „Weiter, immer weiter!“
Und genau so soll es sein!
Weiter kämpfen, grätschen und immer ein Tor mehr als die anderen.

Hansa ist der beste Club der Welt!

 

Wir können es noch!

November 29, 2015

e6bd140a42d679e869111c1abc1311a2„Irgendwann muss es doch mal klappen“
Auch wenn ich beim letzten Mal geschrieben habe, dass auch der Gedanke daran mir nicht mehr wirklich Mut macht, war es genau dieser Satz, der im Prinzip meine einzige Motivation war, zu dem gestrigen Spiel zu fahren.
Während ich auf dem Weg zum Bahnhof war, kamen mir ein paar Leute entgegen, die gerade auf dem Weg ins Bett waren. So ist das nun mal, aber was macht man nicht alles, um vielleicht den ersten Sieg nach einer gefühlten Ewigkeit mitzuerleben. Wer sich noch an die brachialen Jubel letzte Saison in Wiesbaden oder Zuhause gegen Dortmund erinnert weiß, wie sich das bei Hansa anfühlt und anhört, wenn Spielern und Fans massig Steine vom Herzen fallen.
Gestern allerdings war es erstmal ruhig. Kein Ton von den Tribünen, lediglich ein „Diese Stimmung entspricht eurer Leistung…“ war ein deutlicher Hinweis darauf, was man von den letzten Auftritten hielt. Nach fünf Minuten des Schweigens dann das gewohnte Bild. Viele Fahnen und eine (relativ) lautstarke Süd und dazu wieder ein ziemlich eindeutiges Spruchband „Das ist Hansa Rostock, werdet dem endlich gerecht!!!“.
Trotzdem lief es in der ersten Halbzeit nicht wirklich rund. Die gute erste Halbzeit, die der Trainer laut Interview gesehen haben will, haben viele nicht gesehen. Der einzige Aufreger, neben dem Aluminiumtreffer der Mainzer, war dafür umso größer. Nach einem endlich mal gelungenen Freistoß köpfte Kofler in der 45. Minute zur 1:0 Führung ein. Denkste! Während um mich herum alle jubelten, suchte ich den Haken an der Sache und hatte ihn ziemlich schnell in Person des Linienrichters gefunden. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Da machen wir schon mal die Bude und dann hat wieder irgendjemand was dagegen.
Da ich nach den letzten Spielen immer ein gutes Wort für die Schiedsrichter eingelegt habe, erlaube ich mir diesmal auch, ein paar negative Worte loszuwerden. Ungeachtet des nicht gegebenen Tores war es teilweise nicht ersichtlich, was jetzt genau für das Verteilen von Karten ausschlaggebend war. Während die Nummer 9 der Gäste gerade in der ersten Halbzeit anscheinend Narrenfreiheit genießen durfte, kassierten wir mal wieder beim ersten nennenswerten Foul die gelbe Karte. Auch im weiteren Spielverlauf setzte sich das fort. Da musste ein Mainzer Spieler schon vor dem Augen des Unparteiischen und während das Spiel schon unterbrochen war, noch einen Hansaspieler umhauen, um dann doch mal eine Karte zu sehen. Ungeachtet dessen, hatten wir es schon mit deutlich schlimmeren Experten zutun.
Die zweite Halbzeit begann dann auch nicht wirklich überzeugend, aber man konnte – wie immer – den Willen erkennen. In der 57. Minute geschah dann plötzlich etwas, was sich von der Süd aus einige nicht sofort erklären konnten. Wie aus dem Nichts stand plötzlich nach und nach die komplette Nord und später auch die Ost und die West auf und applaudierten. Was war da los? Es war letzte Saison schon schwer zu beschreiben, was ein einzelner Spieler mit den Gefühlen eines Fans anstellen kann, aber die Szenen, die sich zwischen der 57. und 59. Minute abspielte, sagten mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte. Standing Ovations für einen Spieler der nach einem super Spiel ausgewechselt wird, sind im Fußball mittlerweile so alltäglich, wie Zugausfälle bei der Deutschen Bahn. Aber dass sich das ganze Stadion für einen Spieler erhebt, der in dieser Saison noch nicht gespielt hatte und gerade auf dem Weg zu seiner Einwechslung war, spricht Bände.
Und an der Stelle muss ich auch mal den Trainer loben. In Gedanken hatte ich mich schon damit abgefunden, dass dafür der in meinen Augen starke Gottschling den Platz verlassen müsste. Man kann von dem Jungen halten, was man will, aber das von vielen Seiten geforderte Pressing setzt er um, wie kaum ein anderer und ist deshalb, gerade wenn man einen Marcel Ziemer auf dem Platz hat, der daraus entstehende Fehler auch bestrafen kann, enorm wichtig. Aber es kam anders als befürchtet und statt Gottschling verließ Andrist den Platz, von dem man bis auf den starken Freistoß in der ersten Halbzeit bis dahin nicht viel gesehen hatte. Auch der dritte Wechsel (zu Beginn der zweiten Halbzeit war schon Benyamina für Perstaller gekommen), war für mich zu dem Zeitpunkt absolut nachvollziehbar. Wenn es aus dem Spiel heraus absolut nicht funktioniert, sich Chancen zu erarbeiten, dann bring ich eben mal einen Schwertfeger, der auch mal aus der Distanz draufhalten kann.
Mit der Einwechslung von Ziemer hatte man in manchen Situationen allerdings sofort das Gefühl, dass etwas anders war. Endlich war da wieder einer, der auch mal einen hohen Ball annehmen und sichern kann, damit der Rest Zeit zum Nachrücken hat. Und endlich war da mal wieder ein Spieler, der auch mal andere Gedanken hatte. Jeder andere hätte den Ball in der 88. Minute nochmal quer gelegt oder hintenrum gespielt oder sonst was. Aber man kann eben auch mal den Kopf hoch nehmen, den gut postierten Mitspieler sehen und eine Zuckerflanke auf diesen spielen.
Und dann war er da. Dieser eine Moment, auf den man gefühlte Ewigkeiten gewartet hatte. Das Tor zur Führung, auch noch aus dem Spiel heraus und das alles auch noch so kurz vor Schluss. Der Torjubel war einer von dieser Sorte, die man nicht so schnell wieder vergisst. Die Spieler, alle Fans um mich herum, im ganzen Stadion.. gefühlt brüllte jeder mindestens für zwei Leute und nachdem der Schiri dann auch noch zum Mittelkreis deutete, ging das Ganze nochmal von vorne los. Unbeschreibliche Szene, unbeschreibliches Gefühl und trotzdem folgte kurz danach schon der Blick auf die Uhr. Es müssten noch, je nach Nachspielzeit, 3-5 Minuten gewesen sein und wir kennen ja unser Glück. Aber diesmal sollte es wirklich klappen und die Gäste fielen mit ihrem eigenen Zeitspiel so richtig schön auf die Nase. Ab der 88. Minute entpuppte sich dann das seit einigen Spieltagen erprobte Lied als massentauglich und so konnte nach einer gefühlten Ewigkeit auch mal wieder das ganze Stadion im positiven Sinne mitgerissen werden.
Und auch wenn ich letztes Mal von diesem Kantersieg gesprochen habe: Vielleicht hat dieses späte 1:0 der Mannschaft gezeigt, dass man bis zum Schluss dran glauben muss. Die Färbung von Trikots und Hosen einiger Spieler dürfte ein positives Zeichen für den Einsatz gewesen sein. Bitte macht in den nächsten Spielen so weiter und macht nicht kaputt, was ihr euch gestern mühevoll aufgebaut habt.

Und bevor ich es vergesse: Willkommen zurück, Cello!

Hoffnungslos durch den (Spiel)Tag…

November 22, 2015

182229_548370548548477_659936058_nIrgendwann muss ja mal dieses Spiel kommen. Dieses eine Spiel, bei dem einfach alles passt. Dieser Tag, an dem man den Gegner mit 5:0 abschießt und sich danach denkt: „Warum lief das nicht vorher schon so?“
Bis gestern war das immer der Gedanke, der meine größte Motivation war, mir die aktuellen sportlichen Leistungen überhaupt noch anzutun. Was sich allerdings gestern auf der Erfurter Baustelle abgespielt hat, hat mir und sicherlich auch einigen anderen Hansafans die Kraft und etliches an Hoffnung genommen. Die nächsten Spiele sind im Kopf schon abgehakt. Wenn die Leistung dann gegen die Bremer Zweitvertretung ähnlich ausfällt, dann dürfte wohl auch schon mit Beginn der Rückrunde der allerletzte Funken Hoffnung erlöschen.

Aber von vorn:

Der Spielplan meint es diese Saison ja ganz gut mit mir. Während meiner Zeit in Münster fanden die nahen Auswärtsspiele in Münster und Osnabrück statt. Dazu einige Ostduelle auswärts, sodass ich sowohl nach Hause zur Familie, als auch zu Hansa fahren kann bzw. konnte. So auch dieses Wochenende. So führte der Weg also Nach Erfurt. Dort angekommen, stellte sich zumindest für uns Autofahrer alles ziemlich entspannt dar. Ohne Probleme und große Hektik ging es ins Stadion, wo der aufmerksame Beobachter ein paar Zettelchen an der Imbissbude erkannte. Irgendwer hatte es sich bei Rot-Weiß nicht nehmen lassen, noch einmal auf den 23. Mai des vergangenen Jahres hinzuweisen. „Fans und Mannschaft im Steigerwaldstadion spielten für Hansa“. Okay, wenn es in Erfurt keine andere Motivation gibt, Spiele zu gewinnen, dann gönnen wir ihnen eben den Erfolg. Umso unverständlicher sind dann zwar „Absteiger“-Rufe und das blöde und unkreative Nachgesinge von Ideen der ach so verhassten Sachsen, aber mein Gott, lassen wir ihnen auch diese Freude. War bestimmt auch nur für Fußball und Tradition im Osten.

Kurz vor dem Spiel wurde es etwas amüsant. Der Stadionsprecher interviewte den kleinen Justin. Justin wechselte anscheinend vor der Saison zu Rot-Weiß Erfurt. Auf die Frage „Bereust du denn, dass du zu Rot-Weiß gewechselt bist?“, antwortete er brav mit „Ja“ und machte auch auf weitere Nachfragen keine Anstalten, eine Änderung seiner Antwort folgen zu lassen. Auf die Frage, wieviele Tore er denn bisher erzielt habe, ließ er den Stadionsprecher ein wenig alt aussehen: „Hä? Ich bin doch Torwart“ meinte er nur und sorgte auch im Gästeblock für allgemeine Erheiterung.
Apropos Gästeblock. Dieser war reichlicht gefüllt. Sowohl mit Hansafans, als auch mit blau-weiß-roten Fahnen, die vor dem Spiel verteilt wurden. Die Thüringer Allgemeine Zeitung und einige Thüringer Radiosender machten daraus eine „schöne Aktion der Rostocker Fans in Gedenken an die Opfer der Anschläge in Paris“. So waren wir wenigstens auch mal die Guten.
Gut waren wir sportlich gesehen auch… in den ersten fünf Minuten. Aber danach ist das Spiel schnell erzählt und führt auch jetzt, einen Tag später, noch zu Wutanfällen. Wenn man schon den Schiedsrichter auf seiner Seite hat, auswärts zwei Tore erzielt, zwei Elfmeter bekommt, dann darf man das Spiel auch mal gewinnen. Blödsinn! So ein Spiel musst du gewinnen! Und spätestens seit gestern gibt es keine Ausreden mehr. Ich kann dieses ständige Schönreden auch nicht mehr hören. Gut gespielt hier, Pech da, kleine Fehler dort. Wenn die einzige Waffe des Gegners lange Bälle auf einen Spieler sind, der 90 Minuten genau darauf lauert, kann man darauf auch mal eingestellt sein. Von der Tatsache, wie die gegnerischen Spieler schon seit Wochen, wenn nicht gar Monaten mit einer Seelenruhe in unserem Strafraum die Bälle hin und her schieben können, mal ganz abgesehen.
Dass uns diese kleinen, individuellen Fehler nämlich immer wieder Punkte kosten und uns schon jetzt allmählich der vierten Liga immer näher bringen, will anscheinend keiner wahr haben. Welches Spiel willst du denn noch gewinnen, wenn nicht dieses gestern?
Der Trainer ist nicht schuld, der macht ja seine Arbeit. Die Spieler sind nicht schuld, die sind ja motiviert. Wer bleibt denn dann übrig? Sind es vielleicht wieder wir Fans? Bei allem Verständnis für Baustellen, die die Existenz des Vereins sichern sollen: Noch sind wir ein Fußballverein und da hat verdammt nochmal auch das Sportliche eine Rolle zu spielen. Ich bekomme jetzt noch das Kotzen, wenn ich nur die Überschrift vom Bericht auf der Vereins-Website lese. Hört endlich auf, all das schön zu reden, was da seit Monaten auf dem Platz abgeliefert wird! Oder müssen wir wirklich erst in drei Wochen gegen den Tabellenletzten verlieren und ganz unten stehen, damit überhaupt mal jemand bemerkt, wie tief wir eigentlich schon in der Scheisse stecken? Oder holen wir wieder zur Winterpause ein paar Asse aus dem Ärmel?
Es ist einfach enttäuschend zu sehen, dass der eigene Verein mittlerweile auch sportlich den Bach runtergeht. Was die Trauer aber zu Wut macht, ist die Tatsache, dass es anscheinend niemanden juckt. Keiner im Verein, weder Vorstand, noch Aufsichtsrat, der einfach mal seinen Mund aufmacht und wenigstens feststellt, dass es so nicht weitergehen kann. Von den Spielern ganz zu schweigen. Und es ist schon sehr traurig, wenn man mittlerweile Spieler wie Sebastian Pelzer schmerzlich vermisst. Aber hey, mich als Spieler würde das auch nicht jucken.
„Ich such mir einfach einen neuen Verein und was dann mit Hansa Rostock ist, kann mir doch egal sein. Und diese Fans erst. Wie naiv sind die eigentlich? Haben die ernsthaft geglaubt, dass ich hier länger bleiben will? Nur weil hier die Ostsee vor der Tür ist? Die hab ich doch in Kiel genauso. Und die Stimmung? Scheiss doch drauf! Wird eh überbewertet!“
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast darüber lachen. Aber das ist mir in letzter Zeit echt vergangen. Und trotz all dem ist der Gedanke, nicht zum nächsten Heimspiel zu fahren, fast schon wieder verflogen. Ich hoffe, dass es vielen von euch auch so geht.
Kommt zum Spiel, kommt ins Stadion. Nicht unbedingt für die Nasen unten auf dem Platz oder an der Seitenlinie, sondern für unseren Verein. Denn der braucht uns im Moment.
Wir sehen uns… und weil es so schön passt, mal was aus den aktuellen Charts:
Wir laufen rum mit der Schnauze voll,
die Köpfe sind leer
Sitzen im Dreck bis zum Hals,
haben Löcher im Herz“