Hurra, ein Freitagsspiel!

November 30, 2016

182229_548370548548477_659936058_nFreitag, 13:30 Uhr!

Was zu Schulzeiten noch die schlimmste Aussage war, die einem ein Lehrer an den Kopf werfen konnte, war vergangene Woche der Start in ein neues Abenteuer in Sachen Hansa.

Statt zum Nachsitzen ging es zunächst mit dem Auto in Richtung Frankfurter Flughafen. Auf dem Weg dorthin machte sich besonders die A1 mal wieder beliebt. Dank eines routinierten Fahrers konnte ich dann aber trotz einiger Staus relativ pünktlich eine S-Bahn Richtung Wiesbaden erreichen.

Kaum am Bahnhof der hessischen Hauptstadt angekommen, war zügig klar, dass hier mal wieder leicht übertrieben wurde. Aber das soll nicht mein Problem sein.

Schnell den Rucksack ins Schließfach gepackt, die obligatorische Capri Sonne und ne Stulle fürs Stadion und los gings auf den etwa 10-minütigen Fußweg zum Stadion.

Dort sollte (mal wieder) der Sitzplatzbereich das Ziel sein. Aber bis dahin war es noch ein weiter Weg. Zum ersten Mal seit fast drei Jahren hatte ich mal wieder meinen Ermäßigungsnachweis vergessen, wonach ich aber aufgrund meines jungen Aussehens sonst auch nie gefragt werde. Also ab zur Kasse und der mittlerweile gewohnte Satz „Einmal Sitzplatz ermäßigt bitte“. Und als könnte ich hellsehen, wollte die gute Frau natürlich ausgerechnet heute den Ausweis sehen. Nach kurzer Diskussion, in die sich auch die Leute hinter mir irgendwann eingeschaltet hatten („Sieht man doch, dass der Bengel noch keine 14 ist!“), bekam ich dann zusammen mit einem patzigen Kommentar endlich meine Karte.

Die nächste Hürde wartete dann in Form des Sicherheitsdienstes auf dem Weg ins Stadion. Nachdem ich schon im letzten Jahr unberechtigt meine Capri Sonne entsorgen musste, hatte ich mich diesmal informiert und hinterließ auf Seiten der Ordner einige überforderte Gesichter („Stadionordnung Punkt 15.1 dritter Punkt sagt: Ich DARF die Capri Sonne mit reinnehmen!“).

Und oben konnte ich dann auf die Frage der bereits Wartenden, was es denn schon wieder zu diskutieren gab, einfach mal mit „Ich hab den Ordnern mal kurz ihre Stadionordnung erklärt“ antworten.

Beizeiten wurden dann die Plätze eingenommen und nach ein paar wichtigen Durchsagen („Mein Name ist Claudia und wenn sie meine Stimme hören, geht es um Ihre Sicherheit!“) wurde auch das Spiel angepfiffen. Und das begann denkbar schlecht mit einem absolut dummen Gegentor, von dessen Sorte wir gut und gerne noch 3-4 weitere hätten fressen können.

Nachdem sich dann fast jeder der Wiesbadener Spieler mal seine Minute Auszeit auf dem anscheinend super bequemen Rasen gegönnt hatte, um danach wie ein junges Reh aufzuspringen und zum nächsten Sprint anzusetzen, wurde die Stimmung langsam dezent aggressiv. Wenn das faire Rausspielen des Balles ausgenutzt wird, um wirklich jeden Angriff der gegnerischen Mannschaft zu unterbinden, dann hat das von dieser Seite auch nichts mehr mit FairPlay zutun.

Folgerichtig wurde den Gastgebern dann auch zu einem ganz miesen Zeitpunkt noch der Ausgleich eingeschenkt, sodass sich zur Freude über das Tor für Hansa auch noch eine gewisse Portion Schadenfreude gesellte.

In der zweiten Halbzeit wurden mal wieder etliche Hochkaräter ausgelassen, was auch zum Teil daran lag, dass der Typ im Tor wahrscheinlich das Spiel seines Lebens gemacht hat.

Ansonsten ist es bei den Spielen in Wiesbaden immer dasselbe. Hinfahren, Spiel gucken, sich darüber aufregen, dass solche Mannschaften niemand braucht und wieder ab nach Hause.

Und genau so lief es dann auch. Der schnellste Weg zurück zum Bahnhof wurde dann mal wieder versperrt, was auch absolut berechtigt war. Wer kennt sie nicht, die ewige Feindschaft zwischen Hansa Rostock und Wehen-Wiesbaden? Und vor allem den Hass der 500 Wiesbadener gegenüber neutral gekleideten Personen soll ja bekanntlich richtig krass sein. Und ich dachte immer, solche Probleme gäbe es nur im Osten. Und als ob der nervige Umweg nicht schon genug gewesen wäre, lief das ganze dann darauf raus, dass man die letzten 500 Meter dann doch wieder gemeinsam mit den Heimfans laufen musste… verrückt!

Aber ein bisschen Bewegung hat ja noch niemandem geschadet, deshalb vielen Dank an der Stelle!

Entspannt ging es dann per S-Bahn nach Mainz und von dort aus per ICE ins mittlerweile arschkalte Münster. Irgendwann zwischen halb und um vier lag ich dann auch in der Falle und war irgendwie viel zu müde zum Schlafen.

Trotz ein paar schöner und witziger Situationen eher mal wieder eine Fahrt, bei der man sich im Nachhinein fragt:

Warum?

Ein Tag zum Vergessen! Oder?

November 20, 2016

IMG-20140124-WA0009Wenn man die beiden Turus-Ausflüge zum Pokalspiel und den Geschehnissen in Duisburg mal außer Acht lässt, dann ist es schon über ein halbes Jahr her, dass es an dieser Stelle mal etwas neues von mir gab.

Die verschiedenen Gründe sind den meisten bekannt: Wenig Zeit durchs Studium, ein paar Schritte kürzer treten und die Tatsache, dass ich in den meisten Fällen allein unterwegs bin und eh nicht viel zu Schreiben habe.

Der vergangene Spieltag bietet aber gleich mehrere Gründe, mich mal wieder auf diesem Wege zu Wort zu melden. Die typischen Geschichten mit der Deutschen Bahn und der Mitteldeutschen Reisegruppe, verwunderte Gesichter und auch was, was immer gut ist: Was zum Meckern!

Seit es mich nach Münster verschlagen hat, gestalten sich die Fahrten zu den Heimspielen deutlich entspannter. Zwei Stunden länger schlafen und keine ewige Fahrerei mit dem Auto zu irgendeinem Bahnhof. Da gönnt man sich mit ein paar Tricks dann auch gerne mal den Luxus, mit den schnelleren IC-Verbindungen zu reisen.

So auch gestern, doch wie so oft, wenn ich die Bahn hier erwähne, hat das natürlich auch dieses Mal einen Haken.

Kurz hinter Bremen die Meldung, dass zwischen Hamburg Hbf und Hamburg Altona ein Notarzteinsatz am Laufen ist. Da dieser selten nach weniger als einer Stunde beendet ist und gerade an der Stelle dann einfach mal der Halt am Hbf ersatzlos gestrichen wird, keine guten Neuigkeiten.

Aber Fuchs wie ich bin, wurde sofort der Plan geändert und mal wieder dem gar nicht mal so schönen Harburg ein Besuch abgestattet. Von da aus ist es noch möglich, den Hbf und somit die eventuell gesperrte Strecke mit dem eigentlich geplanten Zug zu umfahren. Der Zug fuhr zwar planmäßig, aber so war immerhin der Sitzplatz gesichert.

In Rostock angekommen, kamen mir sofort die ersten bekannten Gesichter am Bahnhof entgegen. Gut gelaunt wie immer und anscheinend auch wieder mit ordentlich alkoholischen Getränken versorgt, sollte es in Richung Schließfächer und dann weiter zum Stadion gehen. Beim Einschließen der Sachen tappte dann der Tagesvollste noch in eine böse Falle. Voller Freude und nichts Böses ahnend, stürzte er sich auf 2 Cent, die da einfach so am Boden lagen. Auf dem Weg nach oben stellte sich ihm jedoch die Tür eines geöffneten Schließfachs in den Weg. Baaaam! Schon beim Hingucken und dem Geräusch hatte ich sofort selbst Kopfschmerzen. Nachdem er also um 2 Cent und ordentlich Schädelbrummen reicher war, konnte es dann endlich weitergehen.

Bevor es ins Stadion ging, musste noch eine Stärkung her. Beim Verzehr der verdienten Bratwurst gab es dann von einem erfahrenen Mann noch den „Egal wie früh es ist, man geht nie ohne Frühstück aus dem Haus!“-Hinweis, der auch prompt mit einem Hinweis auf die Augen-Verdeck-Funktion seiner Mütze beantwortet wurde.

Das Stadion füllte sich dann nur sehr spärlich und so hielt sich auch die Stimmung sehr in Grenzen. Auch das Spiel tat sein Übriges, weil irgendwie alles nach Ansage passierte. Mein Nebenmann stellte früh fest, dass wir heute „Wenn überhaupt, nur durch Standards“ Tore machen würden. Und selbst vor dem 1:0 rutschte mir, während der Ball noch auf dem Weg Richtung Strafraum war ein „Gute Ecke!“ raus, ehe Tommy Grupe die Kugel versenken konnte. Ich trau mich gar nicht wirklich zu sagen, dass selbst von einem Elfmeter gegen uns vorher die Rede war…

Den Rest des Spiels kennt so ziemlich jeder. Ich will mich auch gar nicht groß daran aufhalten, dass wir mal wieder einen absolut lächerlichen Elfer PLUS rote Karte gegen uns bekommen haben. Was mich viel mehr aufregt ist die Tatsache, dass es ein Bremer Spieler seit drei Spielen immer wieder schafft, mir den Satz „Genau dieselbe Scheisse hat der beim letzten Spiel auch schon abgezogen“ zu entlocken. Dazu kommt die Tatsache, dass Bremen eben die Möglichkeiten hat, Millionen-Zugänge aus der Bundesliga einfach mal in der 2. Mannschaft einzusetzen. Eine klare Wettbewerbsverzerrung, die der DFB aber anscheinend genau so will und so werden die Rufe nach einer eigenen Liga für die Zweiten Mannschaften mal wieder lauter.

Reichlich angefressen ging es dann zügig zurück zum Bahnhof, wo man vergeblich auf die diesmal leicht dezimierte Reisegruppe aus dem mitteldeutschen Raum wartete. Exakt eine Minute nach Abfahrt des Zuges trudelte dann auch der Letzte ein und konnte Dank Verhandlungsgeschick auch noch den Heimweg mit der geplanten Verbindung antreten.

Kurz darauf setzte sich auch mein Zug in Richtung Hamburg und auch hier gab es wieder einige ungeplante Zwischenfälle.

Zunächst einmal wurde allerdings der Traum einer entspannten Rückfahrt zerstört. Eine wilde Gang junger Leute machte es sich direkt neben mir bequem und sorgte zusammen mit dem Fahrgast-Nerver und einem Ball für ordentlich Unterhaltung. Erst, als ein Schweriner mit der Ansage „Könnt ihr bitte ein bisschen Rücksicht nehmen? Hier muss jemand noch nach Münster fahren. Wenn ihr so weit fahren müsstet, würdet ihr nicht mal in Erwägung ziehen, zu Hansa zu fahren!“ um die Ecke kam, war für ein paar Sekunden Ruhe. Die Frage „Aber du fährst nicht wirklich zu Hansa, oder?“ war dann zumindest für mich der Beweis, dass meine Tarnung ganz gut funktioniert.

Ab Schwerin war dann aber wirklich Ruhe und während ich schon kurz vorm Wegnicken war, machte sich mein Handy bemerkbar um mir zu erzählen, dass mein Anschluss gefährdet ist. Anschluss gefährdet? Wir sind doch pünktlich? Denkste! Plötzlich die Durchsage, dass aufgrund eines Notarzteinsatzes im Moment keine Weiterfahrt möglich wäre. Tolle Wurst! Um unsere Anschlüsse würde sich selbstverständlich gekümmert. Als es nach einer halben Stunde weiterging, endete das „Kümmern“ in einem „Der ICE nach Hannover hat leider nicht gewartet“. Aber warum eigentlich Hannover? Genau das hab ich mich auch gefragt, aber aus irgendeinem Grund fährt man ab Hamburg nicht mehr direkt nach Münster, sondern darf diesen schönen Umweg fahren.

Und als wäre das nicht schön genug, sollte es jetzt auch noch drei Stunden dauern, bis der nächste Zug in Richtung Münster fahren sollte. So blieb also ein „bisschen“ Zeit, endlich mal die Struktur des Hamburger Bahnhofs zu verstehen. Etwa eine Stunde vor Abfahrt füllte es sich schon ordentlich am Gleis. Und wieder der Geistesblitz: Eingesetzt wurde der Zug in Altona, also ging es spontan per S-Bahn dorthin, um sich dort schon mal in Ruhe den Platz zu sichern, bevor am Hbf das Gedränge losgeht. Der Plan ging auch auf und so gab es auch endlich mal Gelegenheit, ein bisschen zu Schlafen.

Und dann kam es wieder zum absoluten Klassiker, seit ich von bzw. Nach Münster fahre: Irgendwo hinter Bremen einschlafen und checken, dass der Zug hält. Im Halbschlaf schnell die Sachen zusammengepackt, Jacke angezogen und raus aus dem Zug. Aber Stop! Irgendwie sah der Bahnhof heute früh noch anders aus. Hä? Was ist hier los? Haben die an nem Samstag den Bahnhof fertiggestellt? Vollkommen überfordert mit der Situation suchte ich nach einem Schild, um mich zu orientieren. Und das sorgte dann zusätzlich zur Müdigkeit und Überforderung für einen richtigen Schock. Kein Hinweis wo es hingehen sollte, sondern lediglich ein großes „Osnabrück“ war da zu sehen. Ansatzlos folgte die Kehrtwende zurück in den Zug und spätestens da war ich dann wieder hellwach. Kurz vor dem Ausstieg in Münster vergewisserte sich ein Zugbegleiter noch scherzhaft: „Diesmal aber wirklich?“

Vollkommen übermüdet und immer noch leicht angefressen aufgrund des Spielverlaufs ging es dann ins Bett, wo dann nicht mehr viel mit Gedanken an unberechtigte Elfer und fliegende Bremer war.

Gestern war also wieder mal so ein Tag, der irgendwie alles beinhaltete, was einem das Fahren zu den Spielen abgewöhnen würde. Und trotzdem hatte ich heute nichts besseres zutun, als eine Möglichkeit zu finden, wie ich am Freitag nach Wiesbaden und zurück komme.

Warum? Weil auch wieder bessere Tage kommen!

Hansa ist das Leben

Oh F.C. Hansa, ich liebe Dich!

April 9, 2016

IMG-20120819-WA0002Wenn es ein Spielverlauf und das ganze Drumherum nach sehr langer Zeit mal wieder schafft, mich zu einem Beitrag hinzureißen, dann muss schon irgendwas besonderes passiert sein.
Der Abend gestern in Großaspach war einer von der Sorte „unvergesslich“. Einer dieser Abende, die für so vieles entschädigen, was man auf sich nimmt.
Im Prinzip begann der Tag vollkommen unspektakulär. Nachdem der Lehrgang zumindest für diese Woche erfolgreich überstanden war, ging es auf die entspannte Fahrt nach Großaspach.
Vor Ort angekommen, zeigte sich das Wetter von seiner besseren Seite, sodass die Zeit vor dem Spiel unter den letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen wurde. Mit freundlicher Unterstützung eines anderen Fans gabs dann noch ne Spezi zum Nulltarif.
Zur Abwechslung ging es mal wieder in den Sitzplatzbereich. Dank Mengenrabatt, Rechenkünsten oder warum auch immer für entspannte 10,50 Euro pro Person. Bei solchen Preisen kann man das schon mal machen.
Der Gedanke, dass es dadurch ein entspanntes Spiel werden würde, ist allerdings völliger Quatsch. Ganze 30 Sekunden hab ich es auf dem Sitzplatz ausgehalten. Das lag zum größten Teil auch daran, dass Hansa wie schon gegen Münster gut loslegte. Schon in den ersten paar Minuten gab es ein paar gefährliche Szenen. Danach aber, und das ist auch eine Parallele zum letzten Heimspiel, eine Phase von gut 20 Minuten, in denen die anderen dem Tor deutlich näher waren. Ein paar Mal wünschte man sich dann, dass der Ball vielleicht doch mal hinten raus gedroschen wird, anstatt auch brenzlige Situationen spielerisch zu lösen. Mit Hilfe von Aluminium und einem starken Schuhen im Tor konnte man die Null hinten halten und nach starken Spielverlagerungen auf die rechte Seite zweimal selbst für Gefahr sorgen. Aus einer dieser Situationen entstand ein Eckball, den der bis dahin auffällige Garbuschewski vors Tor brachte, wo Hoffmann mit Anlauf und Präzision an den Ball kam und das Ding mit dem Kopf über die Linie drückte.
Angebliche 800 Gästefans brüllten ihre Erleichterung in die Aspacher Abenddämmerung und aus dem Augenwinkel konnte man beobachten, wie gefühlt der halbe Heimbereich ebenfalls aufsprang und sich dem Jubel anschloss.
Kurz danach war schon Pause und der zweite Durchgang sollte noch einiges auf Lager haben. Einerseits nichts für schwache Hansaherzen und andererseits doch so erleichternd, aber dazu später mehr.
Die zweite Halbzeit stand ganz im Sinne der Angriffsbemühungen von Großaspach. Nur durch wenige Angriffe und einige Konter konnte für zwischenzeitliche Entlastung sorgen. Wenn dann vielleicht Ahlschwede einen Schritt eher den Mumm zum Abschluss hat oder sich Andrist sein Traumtor vom Spiel gegen Wiesbaden für gestern aufgehoben hätte… hätte hätte. Vielleicht wäre dann nicht diese extrem geschlossene Mannschaftsleistung zustande gekommen. Zweimal sah es so aus, als wäre der Ball schon im Tor gewesen, als er in letzter Sekunde noch von einem Verteidiger auf der Linie geklärt wurde. Und wie immer, wenn Hansa mit nur einem Tor führt, gibt es gefühlte 20.000 Stunden Nachspielzeit. In der 93. Minute dann für Bruchteile einer Sekunde blankes Entsetzen, als Schuhen schon geschlagen war, und Ahlschwede irgendwie quer in der Luft lag und so den späten Ausgleich verhinderte. Was für eine Szene und doch einer der Momente, der alles aufzeigte, was diesen Abend so besonders machte. Es ist schon länger erkennbar, dass da scheinbar eine richtig gute Truppe zusammenwächst. Was das gestern aber für Ausmaße angenommen hat, war schon überragend und ich denke ich bin nicht allein, wenn ich den Wunsch äußere, dass das gern so weiter gehen kann.
Was aber nicht weniger überragend war, war der Auftritt im Gästeblock spätestens ab der zweiten Halbzeit. Bezeichnend dafür, dass Ziemer und ein Aspacher Spieler trotz längst unterbrochener Aktion weiter um den Ball kämpften, weil die Pfeife des Schiris einfach keine Chance gegen den Lärm aus ddm Gästeblock hatte. Ich weiß nicht, wann selbst mein Vater zum letzten Mal mit solch einem Ohrwurm das Stadion verlassen hat. Ein Lied, das so viel vereint, was so viele Leute im und um den Verein fühlen. Jeder, der mich kennt, hier immer mal mitliest oder mich schon mal im Stadion erlebt hat weiß, dass es mir sehr schwer fällt, Spieler zu feiern, die unser Trikot tragen. Zu oft wurde man von vermeintlichen Hoffnungsträgern enttäuscht, zu selten konnte sich mal ein Spieler nach übermäßigen Sympathiebekundungen zu einem längeren Verbleib bei unserem Herzensverein hinreißen lassen.
All das war gestern nach dem Spiel vergessen. Wer das gestern erlebt hat und vor allem, wie die Truppe mit geballten Fäusten in Richtung Gästeblock gekommen ist, der wird das nachvollziehen können. Alle negativen Gedanken, sogar die Abstiegsängste waren für ein paar Minuten vergessen. Als die Mannschaft dann noch ihre gefühlte Stadionrunde drehte, konnte auch ich nicht mehr anders. Aber gefühlt jedem Spieler wurde es von allen Seiten hinterhergerufen: „Weiter, immer weiter!“
Und genau so soll es sein!
Weiter kämpfen, grätschen und immer ein Tor mehr als die anderen.

Hansa ist der beste Club der Welt!

 

Wir können es noch!

November 29, 2015

e6bd140a42d679e869111c1abc1311a2„Irgendwann muss es doch mal klappen“
Auch wenn ich beim letzten Mal geschrieben habe, dass auch der Gedanke daran mir nicht mehr wirklich Mut macht, war es genau dieser Satz, der im Prinzip meine einzige Motivation war, zu dem gestrigen Spiel zu fahren.
Während ich auf dem Weg zum Bahnhof war, kamen mir ein paar Leute entgegen, die gerade auf dem Weg ins Bett waren. So ist das nun mal, aber was macht man nicht alles, um vielleicht den ersten Sieg nach einer gefühlten Ewigkeit mitzuerleben. Wer sich noch an die brachialen Jubel letzte Saison in Wiesbaden oder Zuhause gegen Dortmund erinnert weiß, wie sich das bei Hansa anfühlt und anhört, wenn Spielern und Fans massig Steine vom Herzen fallen.
Gestern allerdings war es erstmal ruhig. Kein Ton von den Tribünen, lediglich ein „Diese Stimmung entspricht eurer Leistung…“ war ein deutlicher Hinweis darauf, was man von den letzten Auftritten hielt. Nach fünf Minuten des Schweigens dann das gewohnte Bild. Viele Fahnen und eine (relativ) lautstarke Süd und dazu wieder ein ziemlich eindeutiges Spruchband „Das ist Hansa Rostock, werdet dem endlich gerecht!!!“.
Trotzdem lief es in der ersten Halbzeit nicht wirklich rund. Die gute erste Halbzeit, die der Trainer laut Interview gesehen haben will, haben viele nicht gesehen. Der einzige Aufreger, neben dem Aluminiumtreffer der Mainzer, war dafür umso größer. Nach einem endlich mal gelungenen Freistoß köpfte Kofler in der 45. Minute zur 1:0 Führung ein. Denkste! Während um mich herum alle jubelten, suchte ich den Haken an der Sache und hatte ihn ziemlich schnell in Person des Linienrichters gefunden. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Da machen wir schon mal die Bude und dann hat wieder irgendjemand was dagegen.
Da ich nach den letzten Spielen immer ein gutes Wort für die Schiedsrichter eingelegt habe, erlaube ich mir diesmal auch, ein paar negative Worte loszuwerden. Ungeachtet des nicht gegebenen Tores war es teilweise nicht ersichtlich, was jetzt genau für das Verteilen von Karten ausschlaggebend war. Während die Nummer 9 der Gäste gerade in der ersten Halbzeit anscheinend Narrenfreiheit genießen durfte, kassierten wir mal wieder beim ersten nennenswerten Foul die gelbe Karte. Auch im weiteren Spielverlauf setzte sich das fort. Da musste ein Mainzer Spieler schon vor dem Augen des Unparteiischen und während das Spiel schon unterbrochen war, noch einen Hansaspieler umhauen, um dann doch mal eine Karte zu sehen. Ungeachtet dessen, hatten wir es schon mit deutlich schlimmeren Experten zutun.
Die zweite Halbzeit begann dann auch nicht wirklich überzeugend, aber man konnte – wie immer – den Willen erkennen. In der 57. Minute geschah dann plötzlich etwas, was sich von der Süd aus einige nicht sofort erklären konnten. Wie aus dem Nichts stand plötzlich nach und nach die komplette Nord und später auch die Ost und die West auf und applaudierten. Was war da los? Es war letzte Saison schon schwer zu beschreiben, was ein einzelner Spieler mit den Gefühlen eines Fans anstellen kann, aber die Szenen, die sich zwischen der 57. und 59. Minute abspielte, sagten mehr als die sprichwörtlichen tausend Worte. Standing Ovations für einen Spieler der nach einem super Spiel ausgewechselt wird, sind im Fußball mittlerweile so alltäglich, wie Zugausfälle bei der Deutschen Bahn. Aber dass sich das ganze Stadion für einen Spieler erhebt, der in dieser Saison noch nicht gespielt hatte und gerade auf dem Weg zu seiner Einwechslung war, spricht Bände.
Und an der Stelle muss ich auch mal den Trainer loben. In Gedanken hatte ich mich schon damit abgefunden, dass dafür der in meinen Augen starke Gottschling den Platz verlassen müsste. Man kann von dem Jungen halten, was man will, aber das von vielen Seiten geforderte Pressing setzt er um, wie kaum ein anderer und ist deshalb, gerade wenn man einen Marcel Ziemer auf dem Platz hat, der daraus entstehende Fehler auch bestrafen kann, enorm wichtig. Aber es kam anders als befürchtet und statt Gottschling verließ Andrist den Platz, von dem man bis auf den starken Freistoß in der ersten Halbzeit bis dahin nicht viel gesehen hatte. Auch der dritte Wechsel (zu Beginn der zweiten Halbzeit war schon Benyamina für Perstaller gekommen), war für mich zu dem Zeitpunkt absolut nachvollziehbar. Wenn es aus dem Spiel heraus absolut nicht funktioniert, sich Chancen zu erarbeiten, dann bring ich eben mal einen Schwertfeger, der auch mal aus der Distanz draufhalten kann.
Mit der Einwechslung von Ziemer hatte man in manchen Situationen allerdings sofort das Gefühl, dass etwas anders war. Endlich war da wieder einer, der auch mal einen hohen Ball annehmen und sichern kann, damit der Rest Zeit zum Nachrücken hat. Und endlich war da mal wieder ein Spieler, der auch mal andere Gedanken hatte. Jeder andere hätte den Ball in der 88. Minute nochmal quer gelegt oder hintenrum gespielt oder sonst was. Aber man kann eben auch mal den Kopf hoch nehmen, den gut postierten Mitspieler sehen und eine Zuckerflanke auf diesen spielen.
Und dann war er da. Dieser eine Moment, auf den man gefühlte Ewigkeiten gewartet hatte. Das Tor zur Führung, auch noch aus dem Spiel heraus und das alles auch noch so kurz vor Schluss. Der Torjubel war einer von dieser Sorte, die man nicht so schnell wieder vergisst. Die Spieler, alle Fans um mich herum, im ganzen Stadion.. gefühlt brüllte jeder mindestens für zwei Leute und nachdem der Schiri dann auch noch zum Mittelkreis deutete, ging das Ganze nochmal von vorne los. Unbeschreibliche Szene, unbeschreibliches Gefühl und trotzdem folgte kurz danach schon der Blick auf die Uhr. Es müssten noch, je nach Nachspielzeit, 3-5 Minuten gewesen sein und wir kennen ja unser Glück. Aber diesmal sollte es wirklich klappen und die Gäste fielen mit ihrem eigenen Zeitspiel so richtig schön auf die Nase. Ab der 88. Minute entpuppte sich dann das seit einigen Spieltagen erprobte Lied als massentauglich und so konnte nach einer gefühlten Ewigkeit auch mal wieder das ganze Stadion im positiven Sinne mitgerissen werden.
Und auch wenn ich letztes Mal von diesem Kantersieg gesprochen habe: Vielleicht hat dieses späte 1:0 der Mannschaft gezeigt, dass man bis zum Schluss dran glauben muss. Die Färbung von Trikots und Hosen einiger Spieler dürfte ein positives Zeichen für den Einsatz gewesen sein. Bitte macht in den nächsten Spielen so weiter und macht nicht kaputt, was ihr euch gestern mühevoll aufgebaut habt.

Und bevor ich es vergesse: Willkommen zurück, Cello!

Hoffnungslos durch den (Spiel)Tag…

November 22, 2015

182229_548370548548477_659936058_nIrgendwann muss ja mal dieses Spiel kommen. Dieses eine Spiel, bei dem einfach alles passt. Dieser Tag, an dem man den Gegner mit 5:0 abschießt und sich danach denkt: „Warum lief das nicht vorher schon so?“
Bis gestern war das immer der Gedanke, der meine größte Motivation war, mir die aktuellen sportlichen Leistungen überhaupt noch anzutun. Was sich allerdings gestern auf der Erfurter Baustelle abgespielt hat, hat mir und sicherlich auch einigen anderen Hansafans die Kraft und etliches an Hoffnung genommen. Die nächsten Spiele sind im Kopf schon abgehakt. Wenn die Leistung dann gegen die Bremer Zweitvertretung ähnlich ausfällt, dann dürfte wohl auch schon mit Beginn der Rückrunde der allerletzte Funken Hoffnung erlöschen.

Aber von vorn:

Der Spielplan meint es diese Saison ja ganz gut mit mir. Während meiner Zeit in Münster fanden die nahen Auswärtsspiele in Münster und Osnabrück statt. Dazu einige Ostduelle auswärts, sodass ich sowohl nach Hause zur Familie, als auch zu Hansa fahren kann bzw. konnte. So auch dieses Wochenende. So führte der Weg also Nach Erfurt. Dort angekommen, stellte sich zumindest für uns Autofahrer alles ziemlich entspannt dar. Ohne Probleme und große Hektik ging es ins Stadion, wo der aufmerksame Beobachter ein paar Zettelchen an der Imbissbude erkannte. Irgendwer hatte es sich bei Rot-Weiß nicht nehmen lassen, noch einmal auf den 23. Mai des vergangenen Jahres hinzuweisen. „Fans und Mannschaft im Steigerwaldstadion spielten für Hansa“. Okay, wenn es in Erfurt keine andere Motivation gibt, Spiele zu gewinnen, dann gönnen wir ihnen eben den Erfolg. Umso unverständlicher sind dann zwar „Absteiger“-Rufe und das blöde und unkreative Nachgesinge von Ideen der ach so verhassten Sachsen, aber mein Gott, lassen wir ihnen auch diese Freude. War bestimmt auch nur für Fußball und Tradition im Osten.

Kurz vor dem Spiel wurde es etwas amüsant. Der Stadionsprecher interviewte den kleinen Justin. Justin wechselte anscheinend vor der Saison zu Rot-Weiß Erfurt. Auf die Frage „Bereust du denn, dass du zu Rot-Weiß gewechselt bist?“, antwortete er brav mit „Ja“ und machte auch auf weitere Nachfragen keine Anstalten, eine Änderung seiner Antwort folgen zu lassen. Auf die Frage, wieviele Tore er denn bisher erzielt habe, ließ er den Stadionsprecher ein wenig alt aussehen: „Hä? Ich bin doch Torwart“ meinte er nur und sorgte auch im Gästeblock für allgemeine Erheiterung.
Apropos Gästeblock. Dieser war reichlicht gefüllt. Sowohl mit Hansafans, als auch mit blau-weiß-roten Fahnen, die vor dem Spiel verteilt wurden. Die Thüringer Allgemeine Zeitung und einige Thüringer Radiosender machten daraus eine „schöne Aktion der Rostocker Fans in Gedenken an die Opfer der Anschläge in Paris“. So waren wir wenigstens auch mal die Guten.
Gut waren wir sportlich gesehen auch… in den ersten fünf Minuten. Aber danach ist das Spiel schnell erzählt und führt auch jetzt, einen Tag später, noch zu Wutanfällen. Wenn man schon den Schiedsrichter auf seiner Seite hat, auswärts zwei Tore erzielt, zwei Elfmeter bekommt, dann darf man das Spiel auch mal gewinnen. Blödsinn! So ein Spiel musst du gewinnen! Und spätestens seit gestern gibt es keine Ausreden mehr. Ich kann dieses ständige Schönreden auch nicht mehr hören. Gut gespielt hier, Pech da, kleine Fehler dort. Wenn die einzige Waffe des Gegners lange Bälle auf einen Spieler sind, der 90 Minuten genau darauf lauert, kann man darauf auch mal eingestellt sein. Von der Tatsache, wie die gegnerischen Spieler schon seit Wochen, wenn nicht gar Monaten mit einer Seelenruhe in unserem Strafraum die Bälle hin und her schieben können, mal ganz abgesehen.
Dass uns diese kleinen, individuellen Fehler nämlich immer wieder Punkte kosten und uns schon jetzt allmählich der vierten Liga immer näher bringen, will anscheinend keiner wahr haben. Welches Spiel willst du denn noch gewinnen, wenn nicht dieses gestern?
Der Trainer ist nicht schuld, der macht ja seine Arbeit. Die Spieler sind nicht schuld, die sind ja motiviert. Wer bleibt denn dann übrig? Sind es vielleicht wieder wir Fans? Bei allem Verständnis für Baustellen, die die Existenz des Vereins sichern sollen: Noch sind wir ein Fußballverein und da hat verdammt nochmal auch das Sportliche eine Rolle zu spielen. Ich bekomme jetzt noch das Kotzen, wenn ich nur die Überschrift vom Bericht auf der Vereins-Website lese. Hört endlich auf, all das schön zu reden, was da seit Monaten auf dem Platz abgeliefert wird! Oder müssen wir wirklich erst in drei Wochen gegen den Tabellenletzten verlieren und ganz unten stehen, damit überhaupt mal jemand bemerkt, wie tief wir eigentlich schon in der Scheisse stecken? Oder holen wir wieder zur Winterpause ein paar Asse aus dem Ärmel?
Es ist einfach enttäuschend zu sehen, dass der eigene Verein mittlerweile auch sportlich den Bach runtergeht. Was die Trauer aber zu Wut macht, ist die Tatsache, dass es anscheinend niemanden juckt. Keiner im Verein, weder Vorstand, noch Aufsichtsrat, der einfach mal seinen Mund aufmacht und wenigstens feststellt, dass es so nicht weitergehen kann. Von den Spielern ganz zu schweigen. Und es ist schon sehr traurig, wenn man mittlerweile Spieler wie Sebastian Pelzer schmerzlich vermisst. Aber hey, mich als Spieler würde das auch nicht jucken.
„Ich such mir einfach einen neuen Verein und was dann mit Hansa Rostock ist, kann mir doch egal sein. Und diese Fans erst. Wie naiv sind die eigentlich? Haben die ernsthaft geglaubt, dass ich hier länger bleiben will? Nur weil hier die Ostsee vor der Tür ist? Die hab ich doch in Kiel genauso. Und die Stimmung? Scheiss doch drauf! Wird eh überbewertet!“
Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man fast darüber lachen. Aber das ist mir in letzter Zeit echt vergangen. Und trotz all dem ist der Gedanke, nicht zum nächsten Heimspiel zu fahren, fast schon wieder verflogen. Ich hoffe, dass es vielen von euch auch so geht.
Kommt zum Spiel, kommt ins Stadion. Nicht unbedingt für die Nasen unten auf dem Platz oder an der Seitenlinie, sondern für unseren Verein. Denn der braucht uns im Moment.
Wir sehen uns… und weil es so schön passt, mal was aus den aktuellen Charts:
Wir laufen rum mit der Schnauze voll,
die Köpfe sind leer
Sitzen im Dreck bis zum Hals,
haben Löcher im Herz“

Stellungnahmen, Strafen, Sippenhaft – Läuft bei Hansa,

September 24, 2015

Da war es also, das von einigen lang erwartete Aufeinandertreffen mit dem 1. FC Magdeburg.
Und das ganze Drumherum im Vorfeld und im Nachhinein ist für mich nach längerer Zeit mal wieder ein Grund, einfach mal wahllos auf alles und jeden einzuschimpfen und alle/s zu verurteilen, was bzw. der mir gerade in den Kopf kommt. Also im Prinzip nichts anderes, was unser Hauptsponsor, die Spieler und letztendlich auch unser Verein machen.
Abgesehen von dem ganzen Theater im Vorfeld, habe ich versucht mir einzureden, dass dies ein ganz normales Spiel, wie alle anderen werden sollte. Auf der Seite der Gäste sah das anscheinend anders aus. Da gibt man sich schon einmal besonders Mühe, wieder einmal den Eindruck von „Wir sind die größten der Welt“ zu vermitteln, indem man nicht sich selbst mit Argumenten bzw. irgendetwas Vorzeigbarem heraushebt, sondern einfach nur mit lächerlichen Sprüchen versuchte, den Gegner runterzuziehen. Und weil der Club von der Ostsee ja so überbewertet ist, wurde gleich noch ein besonders umfangreicher Reisehinweis abgedruckt und ausgerechnet zu diesem Spiel bei diesem unbedeutenden Gegner der erste eigene Sonderzug organisiert.
Ungeachtet aller nicht vorhandenen Sympathien, blieb es natürlich trotzdem interessant zu sehen, wie diese viel gefeierten und hoch gelobten Magdeburger in der Realität wohl sein würden.
Und da wären wir schon bei den Fakten, die man zu dem Spiel ganz nüchtern betrachten kann. Ungeachtet der optischen Aktionen, war das, was aus dem Gästeblock kam, eher enttäuschend. Trotz dass sie zahlenmäßig stark vertreten waren (das muss man trotz der nicht allzu großen Entfernung an einem Mittwochabend einfach mal erwähnen), kam das Ganze nicht mal annähernd an vergleichbar große Gruppen heran, die sich in letzter Zeit in unserem Stadion vorgestellt haben. Böse Zungen behaupten sogar, dass selbst die Hallenser lauter waren.

Aber das soll es auch schon gewesen sein zu den Gästen, die zur Abwechslung wenigstens in Sachen Vereinsfarben mal guten Geschmack bewiesen, denn spätestens nach dem Spiel gestern haben wir genug eigene Probleme.
Aber anfangen möchte ich auf unserer eigenen Seite mit einem Problem, das schon vor dem Spiel existent war. Anscheinend scheint es in Mode zu kommen, irgendwelche seltsamen Regelungen zum Thema Kartenverkauf durchzusetzen. Inwiefern die von irgendwelchen Sicherheitsorganen vorgegeben sind, ist mir an dieser Stelle völlig egal. Wie man aber als Verein, der nicht müde wird zu betonen, dass die Fans aus der ganzen Republik kommen, einen Vorverkauf nur an Menschen mit Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern durchführen kann, bleibt mir ein Rätsel. Wie man dann in Zeiten knapper Kassen aber auch noch die Tageskassen geschlossen lassen kann, wo doch ein nicht unbeachtlicher Teil der Karten an jedem Spieltag erst dort gekauft wird, ist für mich nicht nachzuvollziehen. Dass wir in Verhandlungen mit Polizei, DFB usw. in einer denkbar ungünstigen Position sind, ist mir bekannt. Wie man sich aber so dermaßen in Maßnahmen zwingen lässt, die so extrem in den wirtschaftlichen Erfolg eingreifen, ist für mich als Vereinsmitglied nicht nachzuvollziehen. Da braucht man sich auch nicht wundern, dass bei einem Spiel mit hohem Potential eben nur 16.000 Zuschauer kommen.

Natürlich darf man aber auch die Beteiligten auf den Tribünen nicht vergessen. Dabei geht es mir überhaupt nicht um Choreos und Geburtstage von Gruppen. Eher darum, dass sich scheinbar nicht an untereinander getroffene Abmachungen gehalten wird. Zumindest war das anhand der Mimik und Gestik des Capos nicht zu übersehen. Inwiefern da wer wen provoziert haben sollte, ist mir nicht klar, spielt aber auch keine Rolle. Der Großteil wird meine Einstellung zu Pyrotechnik kennen, aber das, was nach der Choreo und dem Tor nochmal losgetreten wurde, war nach dem geilen Torjubel ein richtiger Stimmungskiller.

Ein Stimmungskiller war an diesem Tag übrigens auch das Halbzeitspiel unseres Hauptsponsors. Jungs, ich weiß, dass ihr hier immer mal mitlest, aber das gestern, das war einfach… naja… ungünstig. Die Intention, mit Hilfe der Fans Geld für einen guten Zweck zu sammeln, ist natürlich super. Wie man sich aber vorstellt, dass die Leute im ganzen Stadion gleichzeitig irgendwas rufen sollen und das noch in der Halbzeitpause, wo sich der Großteil doch eher außerhalb der Blöcke abspielt, ist mir nicht so ganz klar. Dann noch einen für solche Aktionen völlig ungeeigneten Spruch wie „Alles für den FCH“ auszuwählen, lief dann denkbar ungünstig. Seid ihr nicht auch der Meinung, dass es ein schlichtes „HANSA!“ da auch getan hätte? Unter den Umständen den Leuten dann in der eigenen Stellungnahme noch zu unterstellen, dass sie ihre Stimme nicht für den guten Zweck erheben wollen, trägt nicht wirklich zur Lösung dieses allgemein vorhandenen Problems bei. Und ich gebe zu, dass auch ich mich nicht an diesem Ruf beteiligt hab, so wie die ganze von euch als „Stimmungstribüne“ bezeichnete Süd, was oben genannten Gründen geschuldet ist(die Gänsefüßchen bloß nicht vergessen. Stilmittel und so). Sollte irgendeiner von Euch oder denen, die bei erfolgreichem Gelingen der Aktion Geld geben wollten, davon lesen, sprecht mich an. Hier oder auf den anderen bekannten Wegen. Ich schätze euer Engagement für die Tafeln und würde im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten auch einen Teil dazu beitragen. So, wie das ein nicht unbeachtlicher Teil der Hansafans übrigens auch bei diversen anderen Aktionen in der jüngeren Vergangenheit getan hat. Ich verstehe eure Wut über das, was vorgefallen ist, aber eine Äußerung in dieser Weise, die zwar vorsichtig war, aber trotzdem viele Hansafans zu Unrecht einer gewissen Absicht beschuldigt, ist für mich nichts, was ich einfach wortlos hinnehmen kann. Emotionen schön und gut, aber das war aus der Wut oder auch Fassungslosigkeit heraus sehr ungünstig formuliert bzw. passt der Unterton einfach nicht.

Emotionen konnte man teilweise auch auf dem Platz sehen. Im Gegensatz zur vergangen Hinrunde wurde sich da eben auch mal gewehrt, wenn jemand aus der gegnerischen Mannschaft aufgemuckt hat. Wenn ich mir einen Tobias Jänicke anschaue, der wieder einmal mit Glück die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand und nicht schon vorher mit rot vom Platz flog, dann ist das für mich ein Spieler, der den größten Mist zusammenspielen kann. Bei ihm kann man sicher sein, dass er sich den Arsch aufreißt für den, für SEINEN Verein. Bevor es jetzt weitergeht mit dem Schimpfen möchte ich noch erwähnen, dass die Stimmung in Richtung der Spieler seit Beginn der Saison sehr positiv ist. Trotz der miesen Torausbeute und den miesen ersten Halbzeiten gerade in den ganzen letzten Spieltagen, gab es nie auch nur den Ansatz von Pfiffen aus dem Gästeblock bzw. bei Heimspielen aus irgendeiner Ecke desOstseestadions. Im Gegenteil: Gerade bei Heimspielen wurde jede noch so kleine offensive Aktion lautstark bejubelt und die Spieler nach vorne getrieben. Genauso wurden die defensiven Leistungen vom ganzen Stadion anerkannt.
Wie man sich dann aber als Mannschaft von diesem Publikum, und zwar nicht nur von der Süd, sondern von allen 16.000, die an diesem Tag da waren, so massiv distanzieren kann, war für mich da schon ein leichter Schock. Dass da Leute, die auf dem Platz schon lange nicht mehr mit Ideen, Tatendrang und Übernahme von Verantwortung glänzen, auch noch voran gehen und den jungen Spielern augenscheinlich regelrecht befehlen, nicht zu den Fans zu gehen, spricht da für sich. Ein Fernbleiben von der Süd hätte ich unter den gegebenen Umständen gegebenenfalls noch nachvollziehen können. Aber mit dem sofortigen Gang in die Kabine wurde gleich mal dem kompletten Publikum der Mittelfinger gezeigt. Das muss man sich mal überlegen. Da sitzen Leute, die aus München oder sogar der Schweiz zu diesem Spiel fahren, direkt danach wieder zurück und am nächsten Morgen wieder auf Arbeit antanzen müssen und zwar nicht nur auf der Süd, sondern auch im Rest des Stadions. Für mich ist das ganze Verhalten eher beruhigend. Genauso, wie von den Spielern in dieser Situation nicht im geringsten Maße differenziert wurde, werde auch ich in Zukunft keine Unterschiede mehr machen. Ist schade für Spieler wie Jänicke, Brinkies, Grupe und all die anderen aus der eigenen Jugend, die mit der „Maßnahme“ vielleicht nicht unbedingt einverstanden waren. Aber dazu kann ich nur den Hinweis geben, dass auch diese Spieler ungeachtet von irgendwelchen Vorgaben einen eigenen Kopf und einen eigenen Mund haben. Da hat der Gang zum Block vor dem Spiel fast schon was Heuchlerisches.

Die Krone setzt dem Ganzen noch unser Verein auf, der am Morgen noch munter Werbung für den Kartenverkauf gegen Dresden macht, um dann am Nachmittag zu erklären, dass die Karten für die Südtribüne ersatzlos verfallen werden. Ich weiß, dass ich keine Antwort darauf bekommen werde, aber wofür ich und viele Dauerkartenbesitzer und treue Tageskartenkäufer auch, jetzt bestraft werden sollen, ist für mich nicht ganz klar. Nicht einmal „der Mann mit dem Megaphon“ konnte etwas gegen das ausrichten, was da gestern passiert ist. Dass man als Zeichen an den Verband Tribünen sperren muss, um eine mildere Strafe zu bekommen ist zwar traurig genug, aber im Sinne des Vereins nachvollziehbar. Dass man dabei offensichtlich völlig Unbeteiligte wieder einmal in Sippenhaft nimmt, kann man gerade im Zusammenhang mit dem Spiel gegen Magdeburg in unserem Verein fast schon als gegebenen Umstand ansehen. Da wird der finanzielle Nachteil halt einfach mal auf die Zuschauer umgelegt, indem man diese eben dazu zwingt, sich eine neue Karte zu kaufen. Dumm nur, wenn man keinen Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern hat und jetzt keine Möglichkeit mehr hat, vor dem Spiel noch an Karten zu kommen. Mich persönlich interessiert übrigens der Fußball an sich, auch wenn das anscheinend allen Besuchern der Südtribüne komplett abgesprochen wird. Deshalb werde ich so inkonsequent sein und mir eine neue Karte für einen anderen Bereich kaufen. Auch in der Gefahr, dass dann doch wieder kurzfristig was anderes bekanntgegeben wird. Inwiefern alle Beteiligten das in dieser einfachen Art und Weise hinnehmen, bleibt offen. Allgemein sollten sich die Verantwortlichen vielleicht einfach mal umhören, was manche Leute alles machen, um sich die Karte für das Spiel bzw. die Fahrt dorthin überhaupt leisten zu können. Genau den Leuten dann auch noch einen kräftigen Arschtritt zu verpassen, indem man ihnen einfach die Karten unterm Hintern weg klaut, ist einfach nur dreist. Anstatt die Karten zumindest gegen unattraktive und eh nicht genutzte Stehplatzkarten getauscht werden, geht man lieber diesen Weg. Wenns hilft…

Dieser Beitrag ist übrigens in einer ersten Wut nach Bekanntgabe der Entscheidung entstanden. Dass er letztendlich so lang geworden ist, war nicht geplant. Vielleicht hab ich auch mein sonstiges Ziel, niemandem auf den Schlips zu treten, diesmal weit verfehlt. Das nehme ich in dem Fall in Kauf. Bei uns Fans wird draufgehauen und, wie man anhand der genannten Situationen und Entscheidungen sehen kann, nicht auch nur ansatzweise differenziert. In der aktuellen Situation und Wut sehe ich keinen Grund, es anders zutun und nutze die Gelegenheit einfach, um auch mal alles rauszuhauen, was mich ankotzt. So ähnlich, wie es unser Hauptsponsor getan hat. Nur mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass ich nicht offiziell mit dem Verein in Verbindung stehe. Es ist hier überhaupt nicht meine Absicht, jemandem den Mund zu verbieten, aber man sollte sich wirklich im Klaren darüber sein, wie gewisse Sachen auch beim Leser ankommen, vor allem wenn man eine gewisse Position begleitet.

Damit wünsche ich euch, soweit das möglich ist, noch einen schönen Tag. Wir sehen uns beim nächsten Spiel. Soweit das gewünscht ist…

Auf ein Neues!

Juli 30, 2015

4915201651410-1421143513Wenn der Boden des Fahrradabteils im letzten Zugwaggon wieder total versifft ist, dort schon früh am Morgen Partystimmung mit übermäßiger Lautstärke herrscht und es trotzdem Leute gibt, die bei dem Lärmpegel in aller Seelenruhe schlafen können, dann kann das eigentlich nur eins heißen.
Auch für unsere Mitteldeutsche Reisegruppe begann am letzten Samstag ein neues Kapitel in Sachen Hansa, was hoffentlich nicht so anstrengend wird, wie das vergangene.
Die erste Überraschung gab es schon beim Kauf des Tickets. Nachdem vor einem halben Jahr der Preis für das Ticket gleich mal um 12 Euro angehoben wurde, hat man sich bei der Deutschen Bahn jetzt wieder etwas tolles einfallen lassen. Das Ticket ist jetzt noch eine Nummer größer, sodass man auch ALLE Namen der Mitfahrer eintragen kann. Für uns soweit kein Problem, also wurden brav die Namen eingetragen und alles war gut. Naja, nicht alles. Man weiß ja nie, wie genau der Quatsch kontrolliert wird und so gab sich jeder Mühe, die Namen in der korrekten Schreibweise einzutragen. Deswegen musste auch bei etwas komplizierteren Fällen mal nachgefragt werden, was die Befragten aber in einem Mix aus Müdigkeit und dem ersten Bier noch nicht so richtig verarbeiten konnten. So konnte es schon mal passieren, dass man auf die Frage „Ey Krause… wirst du mit s oder ß geschrieben?“ die Antwort „Na ganz normal mit K am Anfang“ bekam. Inwiefern die Antwort zielführend war, sei mal dahingestellt.
Und das sollte nicht die einzige Überraschung des Tages bleiben. Kurz vor dem Umstieg in unserer Lieblingsstadt erfuhren wir, dass einer unserer Züge ersatzlos gestrichen wurde. Die Schaffnerin im Zug davor war ein bisschen genervt von ihrer frühen Arbeitszeit und entschied sich einfach mal, uns nicht auf die Ersatzvariante hinzuweisen und zog beleidigt ab. Da wir zu dem Zeitpunkt aber selbst einen neuen Plan hatten, konnte uns das ziemlich egal sein. Per Schnellzug wurde dann der Rückstand wieder aufgeholt, sodass wir beim letzten Umstieg wieder voll im Plan lagen.
Der Zug hatte dann auch noch ein paar Special Effects zu bieten. Während weder die Klimaanlage, noch eine der Anzeigen im Abteil funktionierten, wurde anscheinend die gesparte Energie in ein nervtötendes Piepen investiert. So vergingen ganze drei Stunden mit diesem Klangerlebnis, bis dann anscheinend die Batterien leer waren oder was auch immer.
In Rostock angekommen, wurde es dann leicht mysteriös. Während sonst schon im Zug abgesprochen wird, wer wohin geht und dann alle so schnell wie möglich den Bahnhof verlassen, stand diesmal die komplette Gruppe versammelt vor den Schließfächern. Anscheinend wussten alle außer mir bescheid, was da noch kommen sollte. Und auch, wenn wahrscheinlich alle, die zu dem Zeitpunkt am Bahnhof waren, jetzt meinen Namen wissen… Ihr seid einfach die Besten! Das Geschenk wird einen Ehrenplatz in meiner Bude bekommen. Danke für die schönen Bilder und Erinnerungen.
Gemeinsam ging es dann auch weiter in Richtung Stadion, wo sich die Wege dann langsam trennten. Das Stadion selbst war trotz der spärlichen Vorverkaufszahlen recht gut gefüllt und auch das Spiel startete zunächst nicht schlecht. Kurz vor der Halbzeitpause führte ein verwandelter Elfmeter zum 1:0, was dann auch gut bejubelt wurde.
Allgemein war das alles aber noch nicht so überzeugend und nach zwei Aussetzern lagen wir in der zweiten Halbzeit plötzlich mit 1:2 zurück. Das war dann auch der Endstand und damit die Premiere also verkackt. Aber hey… wohin uns die erfolgreichen ersten Spiele in den letzten Jahren geführt haben, wissen wir ja alle.
An der Motivation scheint es nicht zu mangeln. Gerade wenn man Tobi Jänicke im Spiel beobachtet hat. Allerdings hoffe ich, dass sich diese Motivation nicht allzu oft in gelben Karten ausdrückt. Spielerisch auffällig war an diesem Tag keiner so wirklich, was vielleicht auch dem geschuldet ist, dass keiner am ersten Spieltag irgendwas versauen wollte. Obwohl… Marcel Schuhen mit seinen zwei Ausflügen außerhalb des Strafraums war schon eine Nummer für sich. Auf diese Schrecksekunden kann ich in Zukunft gern verzichten.
Zügigen Schrittes ging es dann in Richtung Bahnhof zurück, wo dann alle pünktlich zur Abfahrt anwesend waren. Nachdem dann auch die zahlreichen Radfahrer erfolgreich auf andere Abteile verteilt waren, hatten wir das Partyabteil für uns. Nachdem dann die Niederlage ausgewertet und sich die Gemüter halbwegs beruhigt hatten, widmete man sich dann den angenehmeren Dingen.
Während das für einige saufen und tanzen bedeutete, widmeten sich andere dem Futter. Und als die Partyfraktion abgelenkt war, bekam die ruhige Fraktion von zwei besorgten Müttern noch ordentlich Nachschub an Futter. Neben Chips und Keksen gab es auch ein paar gesunde Sachen und als dann alle Bäuche gefüllt waren, gesellten sich auch die ersten Alkoholopfer zu uns.
Auf den Sitzen gegenüber machte es sich dann irgendwo kurz vor Berlin jemand gemütlich und fiel in einen komaähnlichen Schlaf. Auch wenn er der Meinung war und ist, dass da noch Luft nach oben war… die Tatsachen, dass er sich an gewisse Sachen nicht mehr erinnern kann und vieles, was um ihn und vor allem mit ihm geschah, nicht mitbekommen hat, dürften für sich sprechen.
Der Rest der Fahrt lief dann mal wieder ziemlich unspektakulär und ohne weitere Zwischenfälle. Man hörte allerdings von einem Mitfahrer, bei dem aus „nur ein einziges Bier“ dann doch ein bisschen mehr wurde. Passiert.
Relativ pünklich erreichten dann auch die letzten wieder ihr Zuhause.
Für mich war das voraussichtlich zumindest für längere Zeit die letzte Heimspiel-Fahrt mit den ganzen Chaoten, denn mich zieht es in Zukunft aus einer anderen Ecke des Landes zu den Spielen. Auch aus diesem Grund wird es deswegen wohl in der nächsten Zeit etwas ruhig werden hier. Es ist einfach so, dass ich ohne die Fahrten mit der Gruppe wahrscheinlich einfach nichts groß zum Schreiben haben werde. Die Heimspiele werde ich natürlich weiterhin besuchen, allerdings mit einer wahrscheinlich deutlich ruhigeren Anreise.

Aber wir sind ja nicht aus der Welt und werden uns auf jeden Fall regelmäßig sehen.

In diesem Sinne
Mitteldeutschland für Hansa!
… Auch im Westen 😉

Die letzten Worte zu einer verkorksten Saison

Juni 20, 2015

11053298_1551413691814755_4577884126799923789_oEs ist ein verregneter und kalter Samstag im beschaulichen Thüringen. Erst beim Blick auf den Kalender realisiere ich, dass es exakt einen Monat her ist, dass ich einen der anstrengendsten Tage in meinem noch jungen Leben hinter mir habe. Es war Samstag, der 23. Mai. Ein Tag, den letztendlich viele von uns zum Glück eher positiv im Gedächtnis behalten werden.
Nachdem das letzte Heimspiel gegen Cottbus verloren wurde, war es traurige Gewissheit. Ausgerechnet in Dresden mussten wir uns nun den eigentlich schon sicher geglaubten Klassenerhalt jetzt noch sichern. Was in diesem Moment in mir selbst vorging, kann ich nicht mehr wirklich beschreiben. Nur, dass einige Leute eine ganze Zeit lang zutun hatten, mich wieder aufzubauen. Als dann einer der verbliebenen Leute auf der Süd ein lautes „SCHEISSE!“ durch das mittlerweile leere Stadion brüllte, war das so ziemlich die beste Beschreibung für das Gefühl der kommenden Woche.
Kaum Schlaf, keine Konzentration in der Schule und auf Arbeit, dazu die ständigen Sticheleien von den schlauen Anhängern erfolgsverwöhnter Vereine, die sich überall tummeln. All das waren keine wirklich guten Voraussetzungen, um fit und erholt in den entscheidenden Tag zu starten.
Im Prinzip hatte ich keine andere Wahl und so fand auch ich über einige, zum Teil dann doch recht nervige Umwege, den Weg nach Dresden. Umso näher es dem Anpfiff entgegenging, umso nervöser wurde ich. Wie da eine junge Gruppe von Hansafans noch zu Disko-Mucke um den Transporter tanzen konnte und tun konnte, als wäre dies ein Spieltag wie jeder andere auch, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Das war allerdings auch eine Ausnahme. Noch nie hab ich auf dem Gästeparkplatz vor einem Spiel so viele Leute mit Wassser statt Bier in der Hand gesehen und trotz der vielen Leute war es extrem ruhig, wenn man mal von der Musik aus besagtem Transporter absieht.
Irgendwann kam dann für mich der Zeitpunkt, an dem ich einfach nur für mich allein sein wollte. Weg von der Gruppe, ab in den nächsten Bus zum Stadion und dann gewartet, dass das Spiel angepfiffen wird und möglichst schnell vorbei geht. Ich muss zugeben, gefühlt ging das Spiel letztendlich wirklich ziemlich schnell rum. Nachdem sich in der Halbzeitpause der Zwischenstand aus Erfurt herumgesprochen hatte, sorgte das für Beruhigung. Da das Ergebnis dort so blieb, war es letztendlich auch fast egal, dass wir selber das Spiel noch verloren. Auch wenn der Torjubel meines Hintermannes dafür gesorgt hat, dass die Erinnerungen an den Tag teilweise nur noch verschwommen sind, sind diese so ziemlich das emotionalste, was ich in meiner jungen Zeit als Hansafan erlebt habe. Dieser Wechsel von Angst, über kurze Erleichterung, dann doch wieder das Zittern, die grenzenlose Freude und letztendlich dann doch die vielen Fragen, die man sich stellte.
Egal, wie man letztendlich diesen Spieltag deuten mag. Für die einen haben wir nur durch Schützenhilfe den Klassenerhalt geschafft. Für die anderen, und dieser Meinung schließe ich mich an, haben wir mit einer starken Aufholjagd nach der Winterpause noch den Sprung über den Strich geschafft.
Auch wenn ich wie immer nur sehr kurz die Schnauze voll vom Fußball hatte, bleibt diese Saison durchweg negativ in Erinnerung. Das ist auch der Grund, warum es wirklich einen Monat gedauert hat, bis ich mich aufraffen konnte, ein paar Zeilen dazu zu schreiben. Zu schlecht waren aus meiner Sicht die Darbietungen besonders zum Ende der Hinrunde. Die Top Rückrunde ist natürlich super, aber schafft es leider auch nicht, diese miesen Erfahrungen komplett auszugleichen. Es wurde einfach zu viel verspielt und bei manch einem Spieler, dem jetzt hinterhergetrauert wird, bin ich ganz und gar nicht böse, dass er sein Glück bei einem anderen Verein „mit seinen großartigen Fans und der tollen Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen“ versuchen darf.
Auch was die Fahrten angeht, war diese Saison – um es vorsichtig auszudrücken – zum Kotzen. Gefühlt jedes zweite Heimspiel wurde uns durch die Streiks der Lokführergewerkschaft versaut (bzw. verteuert, abgehalten hat uns das natürlich nicht) oder wir kamen dadurch ziemlich in Bedrängnis. Zum Heimspiel gegen Halle beispielsweise, als wir durch den ersten Streik die komplette Fahrt mit dem WET-Mob aus Halle zusammen genießen durften. Aufgrund eines nicht vorhandenen Planes gab es kein Entkommen und so sah man sich immer wieder den Fragen der Hallenser ausgesetzt. Es ist natürlich auch nicht gerade unauffällig, wenn drei junge Leute, die angeblich absolut gar nichts mit Fußball zutun haben, ausgerechnet an diesem Tag in Richtung Rostock fahren. Ein Glück spielte uns die Dummheit des fragenden Personals in die Karten und weil dort die Meinung herrschte, dass Warnemünde in Schleswig-Holstein liegt, waren wir letztendlich fein raus.
Auch wenn nicht gestreikt wurde, schaffte es die Deutsche Bahn trotzdem, aus einer eigentlich ganz normalen Fahrt ein (teures) Erlebnis zu machen. Zum Heimspiel gegen Dortmund, als wir nach fast sechs Stunden Fahrt immer noch in Sachsen-Anhalt rumeierten und eine Ankunft in Rostock vor Ende der Spielzeit nicht mehr in Sicht war, ging es kurzerhand mit zwei Mietwagen ab Magdeburg weiter. Ein Glück waren genau zwei Leute dabei, die zu dem Zeitpunkt noch fahrtauglich waren. Das größte Glück des Tages war allerdings, dass genau diese beiden dann auch noch die einzigen Besitzer eines Führerscheins waren. Am Rande des Erlaubten und mit zwischenzeitlichem Pullerpausen-Verbot, unter dem vor allem der Beifahrer des zweiten Autos sehr zu leiden hatte, startete dann also der nächste Versuch, das Spiel noch zu erleben. Etwa zehn Minuten vor Anpfiff fand sich auch der letzte Mitfahrer der Gruppe im Stadion ein, sodass man das Experiment durchaus als gelungen ansehen kann. Wenn man den Spielverlauf betrachtet, hat es sich für uns auf jeden Fall gelohnt und wir waren uns einig, dass wir uns selbst in den Arsch gebissen hätten, wenn wir in Magdeburg einfach umgedreht und wieder nach Hause gefahren wären. Eine Wiederholung ist meinerseits übrigens nicht erwünscht und auf die Antworten aus den Beschwerden und Geldforderungen an die Deutsche Bahn wartet man bis heute vergebens. Also im Prinzip eigentlich nichts neues. Sänk ju for noffing.
Aber es war ja auch nicht alles schlecht. Gerade die wenigen gelungenen Fahrten, vor allem zu Heimspielen, die ohne jegliche Zwischenfälle abliefen, haben viele von uns deshalb umso mehr genossen. Auch wenn sich das Wort „genießen“ bei manchen dann einfach nur im übermäßigen Alkoholkonsum bzw. verschütten des selbigen ausdrückt. Die, die dabei waren und mich kennen, werden wissen, was und vor allem wie das ganze gemeint ist.
Eine im absolut positiven Sinne unvergessliche Fahrt hat diese Saison dann allerdings doch zu bieten. Ein eigentlich eher trauriger Anlass, nämlich die Abschiedsfeier eines Gruppenmitgliedes, bot den Rahmen dafür. Auch wenn unsere Gruppe und der sogenannte Dunstkreis mittlerweile ganz schön gewachsen ist, gibt es einen Kern von ungefähr zehn Leuten, die (zumindest fast) von Anfang an dabei waren. Genau diese waren es dann auch, die an dem Abend den Weg nach Halle fanden. Während der DJ mal wieder den Titel als Gruppenvollster abstaubte (Dimitri, beruhig dich!), genossen andere einfach nur den Abend. Mir wurde sogar berichtet, dass die alkoholfreie Fraktion beim Genuss von geklautem Alkohol erwischt wurde. Meiner Meinung nach sind das aber pure Gerüchte. Mit einem guten Mop ging es dann nach Bielefeld, wo zwar zum ersten Mal in der Rückrunde das Ergebnis nicht stimmte, aber der Einsatz der Leute auf dem Platz war in Ordnung sodass man durchaus positiv auf das kommende Heimspiel blicken konnte. Dieser Optimismus zeigte sich dann auch auf der Rückfahrt und während Minden dann noch in den Genuss der Mitteldeutschen Chor-Version vom Eiermann kam, mussten die Leute am Braunschweiger Bahnhof bei der Suche nach einem Verbrechertrio helfen. Schon stark, wie pflichtbewusst die Leute dort waren, denn einige haben die Aktion wohl wirklich ernst genommen.
Sportlich bleibt im Nachhinein nicht mehr viel, was man fast wörtlich nehmen kann. Wieder einmal verlassen viele Spieler den Verein und wieder geht ein Neuanfang seinen Gang. Ganz besonders freue ich mich, dass mit Tobias Jänicke ein Spieler zu uns zurückkommt, den ich nie gerne in den Reihen unserer Gegner gesehen habe. Es kann sein, dass der Eindruck trügt, aber ich glaube er hat sich als Gegner von Hansa auch nicht gerade wohl gefühlt.
Den Optimismus, den einige aufgrund der Transfers und der ersten Trainingseindrücke haben, teile ich allerdings nicht. Zu schwer wiegen da die Enttäuschungen der letzten Jahre. Wenn es nach mir geht, könnten wir als Saisonziel mal den Klassenerhalt und ein positives Torverhältnis ausgeben. Damit schürt man keine riesen Erwartungen und erspart sich vor allem die Reaktionen, wenn diese nicht erfüllt werden. Das heißt nicht, dass ich mir nicht wünsche, dass es mehr wird. Es ist nur eine Art Schutz vor Enttäuschung. Nichts gegen irgendwen persönlich, aber wenn man sich im eigenen Stadion von hundert Kielern verspotten lassen muss, dann ist des eben echt nicht das Größte der Gefühle.

Viel Erfolg, Glück und vor allem Spaß bei den Fahrten wünsche ich auch denen, die in Zukunft weiterhin aus dem mitteldeutschen Raum den Weg zu Hansa, ganz besonders zu den Heimspielen finden. Auch wenn ich am Anfang der neuen Saison eventuell noch dabei bin, werde ich mich spätestens im Verlauf der Hinrunde aus dem Sendegebiet verabschieden. Und auch wenn mir einige Angewohnheiten gewisser Gruppenmitglieder oftmals ganz schön gegen den Strich gingen, war es eine unvergessliche Zeit mit Euch.
Hab Euch lieb, Jungs

In diesem Sinne:
Mitteldeutschland für Hansa Rostock!

Niemals aufgeben – Die Geschichte eines Heimspiels

April 26, 2015

182229_548370548548477_659936058_nWenn mich nach der Saison jemand fragt, was für mich das geilste Spiel war, dann werde ich wahrscheinlich sofort das gestrige Spiel nennen. Dass ich mich vom Spielverlauf her für dieses Spiel entscheide wird dann primär daran liegen, dass ich beim Heimspiel gegen Osnabrück bzw. beim Auswärtssieg in Halle nicht mit dabei war. Und auch die Fahrt wird wohl keines der verbleibenden Spiele toppen, darauf lege ich mich jetzt schon fest.
Vor kurzem hatte ich mit einem meiner Mitfahrer das Thema, ob die Heimspiele und damit zusammenhängende Fahrten irgendwann zur Routine und damit vielleicht irgendwann langweilig werden könnten. Der gestrige Tag hat gezeigt, dass dies wohl so schnell nicht passieren wird. Gerade unsere Strecken scheinen immer wieder für Überraschungen gut zu sein.
Die Nacht vor dem Spiel war mal wieder dasselbe Drama, wie immer. Erst kann man nicht einschlafen und fünf Minuten bevor der Wecker klingelt, fallen die Augen zu. Entsprechend kaputt ging es dann gegen 3:30 Uhr auf den Weg in Richtung Bahnhof. An der blauen Anzeige stand neben der Abfahrtszeit und dem Gleis auch der gefürchtete weiße Balken, in dem zum Glück nur was von einer Verspätung stand. Bei 25 Minuten Umsteigezeit kein Problem.
Nach dem ersten Umstieg bahnte sich dann das Unglück so langsam an. Mit knapp zehn Minuten Verspätung verließen wir den Bahnhof unserer „Lieblingsstadt“. Ist richtig praktisch, wenn man beim nächsten Umstieg nur drei Minuten Zeit hat. Kein Schaffner in unserem Zug, dazu ein Arschloch von Schaffner im anderen und zack, war der Anschluss weg. Schnell wurde nach neuen Möglichkeiten gesucht und sogar noch eine Möglichkeit über Berlin gefunden. Also alle zurück in den Zug und ab. Der Zug hatte immer noch ordentlich Verspätung und so kam es, wie es kommen musste: Unser geplanter Ersatzzug nach Berlin war natürlich schon weg und das, weil nicht einmal eine Minute lang auf Anschlussreisende gewartet werden konnte. Klasse Leistung!
Jetzt musste die nächste Alternative her und immer noch war es möglich, pünktlich in Rostock anzukommen. Der Zug, mit dem wir dann unser Glück versuchten, wurde zwar 40 Minuten vorher bereitgestellt, fuhr aber auch wieder mit Verspätung ab. Zum Glück war im blau-weißen Teil Sachsen-Anhalts genug Zeit. Es waren zu dem Zeitpunkt übrigens schon fünf Stunden vergangen und wir hatten es immer noch nicht geschafft, aus diesem Bundesland zu entkommen.
Durch die unplanmäßige Route führte unser Weg also zur Abwechslung mal nach Magdeburg und während des Aufenthaltes dort war das bisherige Pech an diesem Tag Gesprächsthema Nummer Eins. Dass es noch dicker kommen sollte, davon hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nichts geahnt und so wurde der nächste Zug geentert, um nach wenigen Metern wieder stehen zu bleiben. Um uns herum sahen wir die Züge von und nach Braunschweig, Hannover, Dessau und eine Güterzüge. Nur unser Zug bewegte sich keinen Meter vorwärts. So vergingen fünf Minuten, zehn Minuten, 15 Minuten. Als es dann an die 20 Minuten ging, wurden wir leicht unruhig, denn der nächste Anschluss war nicht mehr zu erreichen. Auf Nachfrage gab es dann auch den Grund für den Halt. Ein kaputter Zug vor uns versperrt den Weg. Einfach mal zurückfahren geht aufgrund des Verkehrsaufkommens auch nicht. Und erst nach weiteren 10 Minuten kam dann die Ansage „Wir setzen zurück zum Magdeburger Hauptbahnhof und startenn dann nochmal neu“. Der Anschluss war also futsch und auch mit ICE gab es keine Chance mehr. Frühestmögliche Ankunft in Rostock war gegen 15:00 Uhr. Zu dem Zeitpunkt waren einige von uns schon seit sieben Stunden unterwegs… und standen immer noch in Sachsen-Anhalt. Verflucht!
Das bemerkenswerte war, dass zwar die ganze Gruppe am Kotzen war, weil man das Spiel verpassen würde, aber keiner so wirklich darüber nachgedacht hat, sich in Magdeburg einfach in den nächsten Zug nach Hause zu setzen. Ein Notfallplan musste also her und wurde in Form einer Autovermietung gefunden. So waren zwei Gruppenmitglieder mal eben um 200 Euro ärmer, aber wenigstens die Hoffnung auf das Spiel war wieder da. Zum Glück hatten wir auch genau zwei Leute, die noch fahrtauglich waren und so gings mit Geschwindigkeiten zwischen 180 und knapp 200 in Richtung Rostock. Etwa 20 Minuten vor Anpfiff erreichten dann auch die letzten das Stadion und während die einen erstmal den Erfolg gefeiert haben, sah man anderen den Stress noch ziemlich an. Auch ich war nicht gerade gut drauf. Eine Entschädigung in Form eines Heimsieges hätte jetzt Wunder bewirkt.
Doch bereits nach kurzer Zeit war das scheinbar versaut, als die Dortmunder in Führung gingen. Das darauf folgende Tor war dann erstmal ein wenig beruhigend, was aber nicht lang anhielt. Das zweite Gegentor des Tages, das stark an das alte Jahr erinnerte, war wieder so ein richtiger Dämpfer und genau in dem Moment, wo auch die Euphorie nachlässt, merkt man erstmal, wie kaputt man eigentlich ist. Zum Glück hat es die Mannschaft ab diesem Zeitpunkt besser gemacht, als ich. Jetzt gings erst recht in die Zweikämpfe, um jeden Ball wurde gekämpft und so konnte der gute Halil sich mal wieder in die Torschützenliste eintragen. Sehr wichtig, den Ausgleich noch vor dem Halbzeitpfiff zu machen! Entsprechend beruhigt und mit leichtem Optimismus ging es dann in die Pause. Wenn es nach mir ging, hätte die zur Abwechlung auch ruhig mal länger sein können.
Der Schiri kannte aber keine Gnade und pfiff ziemlich pünktlich an. Spielerisch waren die Dortmunder bis zum 16er ziemlich gut, aber viel weiter kamen sie meistens nicht, zumindest nicht so, dass es ernsthafte Gefahr für unser Tor gab. Kurz vor Schluss gab es nach einem Eckball eine kurze Schrecksekunde, aber danach ging es nur noch vorwärts und als der Lärmpegel in der Nachspielzeit immer mehr stieg, ließ sich die Mannschaft richtig davon mitreißen. Allen voran zunächst Ahlschwede, der erstmal drei der jungen und ach so schnellen Dortmunder Spieler stehen lässt und den Ball in die Mitte bringt. Dort steht dann Bickel für den zweiten Versuch genau richtig und kloppt das Ding über die Linie. Der anschließende Jubel war dann von der Sorte „brachial“ und während Ahlschwede eine gefühlte Minute lang allein vor der Süd stand und scheinbar jeden einzelnen Fan dort anschreien wollte, stürzte sich der Rest auf Bickel. Ausgerechnet der, der in der ersten Halbzeit scheinbar verletzungsbedingt ausgewechselt werden sollte/wollte und sich aber dann doch durchgebissen hat.
Ob verdient oder nicht, ist an der Stelle sowas von egal! Drei Punkte mehr auf dem Weg Richtung Klassenerhalt und das gegen einen direkten Konkurrenten, das ist das, was zählt!
Die Rückfahrt verlief dann zum Glück ohne weitere Zwischenfälle, wobei auch hier kein einziger Zug pünktlich an seinem Zielort ankam. Und zum Glück sind wir mit dem Auto bis nach Magdeburg gefahren. Zu uns drangen Geschichten von Bombendrohungen und Zugausfällen durch. Das wäre dann wirklich des Guten zu viel gewesen.

Wir haben uns übrigens gestern einstimmig darauf geeinigt, dass Fraktion Sachsen Schuld an dem ganzen Quatsch mit der Fahrerei ist. Ihr hättet den ersten Zug aufhalten können, aber nein, ihr geht lieber arbeiten. Schämt Euch! Entschuldigungen werden nur in Form von Getränken akzeptiert 😉

Das ganze Theater gestern hat sich für uns allerdings sowas von gelohnt. Ein Dank an alle, die dabei waren und danke auch – und darauf könnt Ihr Euch wirklich was einbilden – an die Mannschaft. Bitte weiter so und hört nicht auf, so zu kämpfen. Der Tag gestern hat gezeigt, dass das keine Option sein kann und darf.

In diesem Sinne:
Niemals aufgeben
Kämpfen und siegen
Vorwärts FCH
Wir sind für Dich da!

Hansa macht wieder Spaß!

März 15, 2015

11053298_1551413691814755_4577884126799923789_oJa genau, ihr habt richtig gelesen und auch wenn wir gestern nach längerer Zeit mal wieder verloren haben, ist dieser Titel absolut ernst gemeint. Wenn wir unsere Mannschaft trotz Niederlage emotionaler und lautstärker feiern als es die Gegenseite tut, die mit dem Sieg einen riesigen Schritt in Richtung Aufstieg gemacht hat, dann sagt das so ziemlich alles!
Wie immer spielt bei der Aussage natürlich auch das ganze Drumherum eine Rolle und wenn man das mit einbezieht, dann begann der Spieltag für einen nicht unbedeutenden Teil der Mitteldeutschen Reisegruppe bereits am Freitagabend gegen 19:30 Uhr. Aus einer eigentlich weniger schönen Angelegenheit, nämlich der Verabschiedung eines Gruppenmitgliedes in die Zone außerhalb des Sendegebietes, wurde das Beste herausgeholt.
In unserer „Lieblingsstadt“ traf dann bis auf wenige Ausnahmen die Gruppe für den nächsten Morgen zusammen und während fast alle den normalen Weg durch die Tür nahmen, waren zwei Leute bei der Suche nach dem Eingang nicht ganz so erfolgreich, sodass dann auch der Sinn der großen Fenster ziemlich schnell geklärt war.
Einige schafften es, sich in einer guten Geschwindigkeit auf ein gutes Level zu bringen. Während die Einrichtungsgegenstände der Location zunehmend darunter leiden mussten, stieg die Stimmung umso mehr. Der Gruppen-DJ hat sich an diesem Abend dann aber mal wieder eine Auszeichnung verdient. Diesmal nicht unbedingt wegen der Musik, sondern eher wegen seines… naja… Verhaltens. Immerhin waren einige Leute im größten Suff trotzdem noch in der Lage, mit beim Aufräumen zu helfen. Dass die großen Löcher in den Wänden aber zum Lüften bzw. maximal noch als Tür gedacht sind und dass das keine überdimensionalen Mülleimer sind, wäre dann in dem Zustand wohl zu viel Input gewesen. Nach einem kurzen Schläfchen erwachte er dann mit den Worten „Dimitri! Beruhig Dich“ und feierte dann weiter, als sei nie etwas gewesen. Unter den halbwegs nüchternen in der Gruppe war für beste Unterhaltung also stets gesorgt.
Unerwartet pünktlich führte uns der Weg dann aber zur Straßenbahn, die uns zum Bahnhof bringen sollte. Der vollste hatte in dem Moment einen Geistesblitz und packte vorsichtshalber noch einen Wischmop ein, um eventuelle Verunreinigungen unterwegs selbst zu beseitigen. Dass das im Laufe des Tages noch unser Maskottchen werden sollte, ahnte zu dem Zeitpunkt keiner.
Was zu diesem Zeitpunkt auch keiner ahnen konnte, war die Tatsache, dass es irgendwo auf der Straßenbahn-Strecke gekracht hatte und wir damit praktisch schon eine Stunde vor Abfahrt unseres Zuges eigentlich keine Chance mehr hatten, diesen zu erreichen. Aber geschickt wie wir sind, haben wir auch diese Situation gemeistert und die Fahrt konnte pünktlich beginnen.
Mit einem guten Frühstück und guter Laune startete die Fahrt und nach dem ersten Umstieg war die Gruppe dann auch komplett und dazu kam dann noch eine kleine Gruppe aus den nördlicheren Gefilden, unter denen sich auch ein Eistee-Lieferant befand. Prädikat: Held des Tages! Im zweiten Zug wurde dem Mop dann ein gefährliches Gesicht verpasst. Der Mop wurde somit zum Mob und damit dann die nächsten Bahnhöfe unterwegs in Angst und Schrecken versetzt. Da kann man als Sicherheitsmensch aber auch mal Angst bekommen, wenn da jemand ankommt und behauptet: „Hier kommt gleich ein wütender Mob“.
Bei guter Musik, gutem Hack und der einen oder anderen Portion Schlaf verging dann die restliche Fahrtzeit wie im Fluge und pünktlich erreichten wir Bielefeld. Dort ging es dann zu Fuß zum Stadion, wo noch die eine oder andere Stelle gewisse Erinnerungen an unser letztes Spiel dort auslöste.
Am Stadion angekommen hatte sich die Befürchtung, dass es nur noch die teuren Sitzplatz-Karten gibt, leider bestätigt. Da auch noch andere Leute verzweifelt versuchten an günstigere Karten zu gelangen, hatte ich mich schon damit abgefunden, mangels Karte bzw. dank fehlender finanzieller Mittel das Spiel vor dem Fernseher zu verfolgen. Zum Glück kam es dann doch anders. Danke an dieser Stelle für das Auslegen des Geldes auf der einen und das gute Zureden, das Geld auch anzunehmen auf der anderen Seite.
Kurz vor Anpfiff konnte ich dann doch noch ins Stadion.
Der Jubel zum ersten 0:1 war mal wieder brachial und konnte nochmal so einige aus den letzten Spielen toppen. Schade nur, dass das Tor nicht zählte. Das zweite 0:1 war dann aber auch nicht von schlechten Eltern. Der weitere Spielverlauf war dann eher unglücklich und leider konnte sich die Mannschaft an diesem Tag nicht für den wieder einmal vorbildlichen Einsatz belohnen.
Ja, ihr habt richtig gelesen, ich schreibe im Zusammenhang mit Hansa das Wort „Mannschaft“. Wie bei den Toren wieder die komplette Bank aufspringt und der Torjubel schon fast standardmäßig von allen Spielern und Betreuern zusammen gefeiert wird, ist einfach klasse! Und auch der Block zog immer wieder gut mit. Auch als der Rückstand ein bisschen die Stimmung drückte, wurde doch immer wieder die Kurve gekratzt. Während die Bielefelder nach dem Abpfiff ihre Tabellenposition feierten, wurde im Gästeblock die Mannschaft und der Verein gefeiert. Ja, genau das ist es. Während man aus dem Heimbereich nur so vergängliche Sachen wie „Spitzenreiter“ bejubelte, wurde bei uns etwas gefeiert, was nie vergehen wird.
Unser Verein, Hansa Rostock, der beste Club der Welt!
In einer sowieso schon emotionalen Zeit war das nochmal einer dieser ganz besonderen Momente.
Geschlossen ging es dann zurück zum Bahnhof. Auch die anwesende Staatsmacht, zumindest auf dem Weg vom Stadion zum Bahnhof an diesem Tag sehr vorbildlich und entspannt. Als sich doch zwei Leute an einer Gruppe Polizisten vorbeidrängelten, um die verbotene Abkürzung zu gehen, meinte der Einsatzleiter nur „Da seid ihr aber ganz böse überrannt worden gerade“. Alles entspannt, alles locker. Von mir aus immer so.
Bis Minden ging es dann zusammen mit den Zugfahrern aus Rostock und während diese in Minden sofort umsteigen konnten, mussten wir noch eine Weile warten. Die Sicherheitsmenschen der Bahn überlegten kurz, wie sie weiter mit uns vorgehen sollten, doch als die Gruppe von geschätzten 15 Personen auf einmal anfing, den Eiermann zu singen, wurde diese Mission schnell als nutzlos eingestuft und wir konnten ohne weitere Begleitung die normalen Reisenden im Zug terrorisieren. Der Mob war ordentlich am Toben und war zum Schluss auch reichlich besudelt.
Nach und nach wurden wir immer weniger Leute und die verbliebenen feierten dann einen Helden der Kindheit. Während einer dann noch das Vergnügen hatte, eine Stunde in unserer Lieblingsstadt zu verbringen, ging es für mich und einen weiteren Mitfahrer sofort weiter mit dem nächsten Zug. Die Stunde Autofahrt vom Bahnhof nach Hause wurde dann Dank der Müdigkeit doch etwas länger und vor allem ziemlich anstrengend. Ist schon nicht so praktisch, wenn die Straße vor einem immer kürzer und schmaler wird.
Gegen 1:15 Uhr konnte ich mich dann auch nach zwei Tagen mal wieder in mein Bett fallen lassen und als dann auch der Kopf und das Herz mitbekommen hatten, dass es Zeit zum Runterfahren ist, hatte die Müdigkeit endlich gesiegt.
Danke an alle Beteiligten für eine dieser unvergesslichen Fahrten dieser Saison.

Wir sehen uns nächste Woche zum Heimspiel!